Entscheidung
4 StR 663/19
Bundesgerichtshof, Entscheidung vom
StrafrechtBundesgerichtECLI:DE:BGH:2020:180620B4STR663
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Entscheidungsgründe
ECLI:DE:BGH:2020:180620B4STR663.19.0 BUNDESGERICHTSHOF BESCHLUSS 4 StR 663/19 vom 18. Juni 2020 in der Strafsache gegen wegen Vorteilsannahme - 2 - Der 4. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat nach Anhörung des Beschwerde- führers und des Generalbundesanwalts am 18. Juni 2020 gemäß § 46 Abs. 1, § 349 Abs. 2 und 4 StPO einstimmig beschlossen: 1. Dem Angeklagten wird auf seinen Antrag nach Versäumung der Frist zur Begründung der Revision gegen das Urteil des Landgerichts Halle vom 4. Juni 2019 Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gewährt. Die Kosten der Wiedereinsetzung hat der Angeklagte zu tra- gen. 2. Auf die Revision des Angeklagten wird das vorgenannte Urteil des Landgerichts Halle im Strafausspruch mit den zugehöri- gen Feststellungen aufgehoben. Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhand- lung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmit- tels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurück- verwiesen. 3. Die weiter gehende Revision wird verworfen. Gründe: Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Vorteilsannahme zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten unter Aussetzung der Vollstre- ckung zur Bewährung verurteilt, von der zwei Monate wegen rechtsstaatswidri- ger Verfahrensverzögerung als vollstreckt gelten. Die auf Verfahrensbeanstan- 1 - 3 - dungen und die Rüge der Verletzung sachlichen Rechts gestützte Revision des Angeklagten führt zur Aufhebung des Strafausspruchs; im Übrigen ist das Rechtsmittel unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO. 1. Dem Wiedereinsetzungsantrag ist aus den vom Generalbundesanwalt in der Antragsschrift vom 20. Januar 2020 dargelegten Gründen zu entspre- chen. 2. Der Strafausspruch hält rechtlicher Überprüfung nicht stand. Die Strafzumessungserwägungen lassen nicht erkennen, dass die Straf- kammer beachtet hat, dass der Angeklagte nach § 74 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 LBeamtVG LSA i.V.m. § 24 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BeamtStG mit Rechtskraft der Verurteilung seine Rechte als Ruhestandsbeamter und damit möglicherweise auch seine wirtschaftliche Basis verliert. Die Erörterung dieser Umstände war geboten, da bei der Strafzumessung nach § 46 Abs. 1 Satz 2 StGB die Wirkun- gen zu berücksichtigen sind, die von der Strafe für das künftige Leben des An- geklagten zu erwarten sind. Nach der ständigen Rechtsprechung des Bundes- gerichtshofs zählen dazu als bestimmende Strafzumessungsgründe (§ 267 Abs. 3 Satz 1 StPO) insbesondere auch gesetzlich angeordnete Folgen des Beamtenrechts, auch bei Ruhestandsbeamten (vgl. BGH, Beschluss vom 14. Dezember 2017 – 3 StR 544/17, StraFo 2018, 78 mwN). Das Urteil beruht auf dem Rechtsfehler, weil der Senat nicht ausschlie- ßen kann, dass das Landgericht bei Berücksichtigung der beamtenrechtlichen Folgen der Verurteilung trotz der an sich angemessenen Strafhöhe auf eine noch mildere Strafe erkannt hätte. 2 3 4 5 - 4 - 3. Im Übrigen hat die Nachprüfung des Urteils keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben. Sost-Scheible Roggenbuck Bender Quentin Rommel Vorinstanz: Halle, LG, 04.06.2019 - 901 Js 16835/14 13 KLs 14/18 114 Ss 208/19 6