Entscheidung
1 StR 115/20
Bundesgerichtshof, Entscheidung vom
StrafrechtBundesgerichtECLI:DE:BGH:2020:220720B1STR115
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Entscheidungsgründe
ECLI:DE:BGH:2020:220720B1STR115.20.0 BUNDESGERICHTSHOF BESCHLUSS 1 StR 115/20 vom 22. Juli 2020 in der Strafsache gegen wegen Betruges u.a. - 2 - Der 1. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat auf Antrag des Generalbundes- anwalts und nach Anhörung des Beschwerdeführers am 22. Juli 2020 gemäß § 349 Abs. 2 und 4 StPO beschlossen: Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landge- richts Potsdam vom 22. November 2019 wird mit der Maß- gabe als unbegründet verworfen, dass von der verhängten Gesamtfreiheitsstrafe zwei Monate als vollstreckt gelten. Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen. Gründe: Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Betruges in vier Fällen, versuchten Betruges, Subventionsbetruges in drei Fällen, Steuerhinterziehung in vier Fällen, Untreue, Kreditbetruges und vorsätzlicher Insolvenzverschlep- pung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten verur- teilt. Die hiergegen gerichtete Revision des Angeklagten, die er mit der Verlet- zung formellen und materiellen Rechts begründet, hat den aus der Beschluss- formel ersichtlichen Teilerfolg. Im Übrigen ist das Rechtsmittel unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO. 1. Die Nachprüfung des angefochtenen Urteils lässt zum Schuld- und zum Strafausspruch aus den Gründen der Antragsschrift des Generalbundes- 1 2 - 3 - anwalts vom 18. März 2020 keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten erkennen. Dass in den Fällen 1 und 11 der Urteilsgründe anstelle der ausgeurteilten Strafbarkeit wegen (versuchten) Betruges eine Strafbarkeit wegen Subventi- onsbetruges gemäß § 264 StGB in Betracht kommt, beschwert den Angeklag- ten vorliegend jedenfalls nicht. 2. Das Urteil war aber um eine Kompensation für einen Konventionsver- stoß zu ergänzen. a) Nach Eingang der Akte beim Landgericht am 23. Dezember 2016 ist es zu einer Verletzung des Gebots zügiger Verfahrenserledigung (Art. 6 Abs. 1 Satz 1 MRK, Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 20 Abs. 3 GG) gekommen. Bis zum Eröff- nungsbeschluss am 1. April 2019 ist das Zwischenverfahren nicht sachgerecht gefördert worden. Dass der Strafkammer eine „zeitigere Entscheidung über die Eröffnung…insbesondere“ deswegen nicht möglich gewesen sei, weil sie „gerade in den Jahren 2017 und 2018´… mit zahlreichen vorrangig zu behan- delnden Haftsachen stark belastet war“ (UA S. 77 f.), kann gegenüber dem An- geklagten eine verzögerte Sachbehandlung nicht rechtfertigen. Der Umstand, dass sich der Angeklagte zu dieser Zeit nicht in Haft befunden hat, rechtfertigt es nicht, eine beim Landgericht anhängige Strafsache eine solch lange Zeit – zwei Jahre und fünf Monate – unbearbeitet zu lassen (vgl. BGH, Beschluss vom 18. Februar 2015 – 2 StR 523/14 Rn. 3). b) Der dargelegte Verfahrensgang ergibt sich aus den Urteilsgründen selbst und ist daher auf die Sachrüge zu berücksichtigen (vgl. BGH, Beschluss vom 19. August 2015 – 1 StR 308/15 Rn. 2). Er hat im Zwischenverfahren ins- gesamt zu einer der Justiz anzulastenden Verfahrensverzögerung von etwa 18 Monaten geführt. Die deswegen veranlasste Kompensationsentscheidung 3 4 5 6 - 4 - trifft der Senat, wozu er berechtigt ist (vgl. Beschluss vom 1. August 2018 – 5 StR 320/18 Rn. 3 mwN), selbst und stellt auf der Grundlage der Vollstre- ckungslösung (vgl. BGH, Beschluss vom 17. Januar 2008 – GSSt 1/07, BGHSt 52, 124, 135 ff.) fest, dass zwei Monate der verhängten Gesamtfreiheitsstrafe als Entschädigung für die überlange Verfahrensdauer als vollstreckt gelten. 3. Die gegen die Verurteilung insgesamt gerichtete Revision hat nur ei- nen geringen Teilerfolg, so dass es nicht unbillig ist, den Beschwerdeführer mit den gesamten Kosten und Auslagen seines Rechtsmittels zu belasten (§ 473 Abs. 1 und 4 StPO). Raum Jäger Fischer Bär Hohoff Vorinstanz: Potsdam, LG, 22.11.2019 - 430 Js 47030/19 Wi 23 KLs 16/19 7