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Beschluss

29 W (pat) 13/11

Bundespatentgericht, Entscheidung vom

PatentrechtBundesgericht
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Entscheidungsgründe
BPatG 152 08.05 BUNDESPATENTGERICHT 29 W (pat) 13/11 _______________________ (Aktenzeichen) B E S C H L U S S In der Beschwerdesache … betreffend die Markenanmeldung 30 2009 041 337.1 hat der 29. Senat (Marken-Beschwerdesenat) des Bundespatentgerichts am 4. April 2011 unter Mitwirkung der Vorsitzenden Richterin Grabrucker, der Richte- rin Kortge und der Richterin Dorn - 2 - beschlossen: Der Beschluss der Markenstelle für Klasse 35 des Deutschen Pa- tent- und Markenamts vom 29. November 2010 wird aufgehoben. G r ü n d e I . Das farbige (rot, schwarz, weiß, grau) Wort-/Bildzeichen ist am 9. September 2009 zur Eintragung als Marke in das beim Deutschen Pa- tent- und Markenamt (DPMA) geführte Register für nachfolgende Waren und Dienstleistungen angemeldet worden (nach Beanstandung geändertes Verzeich- nis vom 18. Januar 2010, vgl. Bl. 18 - 23 VA): Klasse 9: bespielte und unbespielte Ton-, Bild- und Datenträger aller Art (so- weit in dieser Klasse enthalten), Magnetaufzeichnungsträger und Datenträger sowie Magnetdatenträger, optische Datenträger; gespei- cherte Computer-Betriebsprogramme und Computer-Software, Hard- und Software (soweit in dieser Klasse enthalten), gespeicherte Soft- ware für Computerspiele; Smartcards [Karten mit integrierten Schalt- kreisen]; Magnetkarten; maschinell oder elektronisch lesbare Mag- netkundenkarten mit Rabattpunktesammel- und Geldkartenfunktion; maschinenlesbare Datenträger, insbesondere Chipkarten; Geräte zur Aufzeichnung, Übertragung und Wiedergabe von Ton und Bild; Da- tenverarbeitungsgeräte und Computer; Telefonapparate; Mobiltelefo- - 3 - ne, Mobiltelefonausrüstungen und -zubehör (soweit in dieser Klasse enthalten); herunterladbare Ton-, Musik- und Videoaufzeichnungen; herunterladbare Klingeltöne, Musik-, MP3s-, Grafik- und Videoda- teien für drahtlose Kommunikationsgeräte; Fotoapparate; Naviga- tionsgeräte für Fahrzeuge (Bordcomputer); Klasse 16: Waren aus Papier und Pappe (soweit in dieser Klasse enthalten); Lichtbild- und Druckereierzeugnisse, nämlich Druckschriften aller Art, insbesondere Bücher, Zeitungen, Zeitschriften, Magazine, Broschü- ren, Kataloge, Periodika, Werbeschriften, sämtliche vorgenannten Waren in gebundener Form, Loseblattsammlung und Druckausgaben auf Papier; Noten, Telefon- und Kreditkarten (unkodiert); Farbdrucke, Fotografien, Bilder, graphische Darstellungen, Handbücher, Poster, Plakate, Glückwunschkarten, Postkarten, Bildkarten, Abzieh- und Aufklebebilder; Foto- und Sammelalben, Bänder für dekorative Zwecke (soweit in dieser Klasse enthalten), Schreibwaren und -gerate; Zeichen-, Mal- und Modellierwaren, Zeichen- und Malgeräte; Pinsel; Klebestoffe und -streifen für Papier- und Schreibwaren oder für Haushaltszwecke; Büroartikel (ausgenommen Möbel); Lehr- und Unterrichtsmaterial (ausgenommen Apparate); Tagebücher; Kalen- der, Grußkarten, Lesezeichen, Bierdeckel, Adressenstempel, Akten- ordner, Aktenhüllen; Servietten, Tischdecken aus Papier oder Zell- stoff, Verpackungsmaterial, insbesondere Behälter, Beutel, Tüten, Taschen und Folien aus Papier oder Pappe einschließlich Luftkissen und Schaumfolien aus Kunststoff; Verpackungsmaterial; Klebebän- der (alle vorstehend in Klasse 16 genannten Waren soweit in dieser Klasse enthalten); - 4 - Klasse 35: Planung und Durchführung von Werbemaßnahmen (soweit in Klasse 35 enthalten), nämlich Planung und Durchführung von Crossmedia-Konzepten zur Distribution (Verteilung von Waren und Dienstleistungen) von Waren und Dienstleistungen über verschiedene Vertriebskanäle, sowie damit verbundene Marketingaktivitäten; Mer- chandising (Verkaufsförderung); Verkaufsförderung, nämlich Sales promotion für Dritte und Cross promotion mit und für Dritte; Online- Dienstleistungen eines e-commerce-Abwicklers, nämlich Waren- und Dienstleistungspräsentation für Werbezwecke, Bestellannahme, Lieferauftragsservice und Rechnungsabwicklung, auch im Rahmen von e-commerce; Rechnungsabwicklung für elektronische Bestell- systeme; Vermittlung von Handelsgeschäften für Dritte über Online- Shops; telefonische und/oder computerisierte Bestellannahme für Teleshopping-Angebote für Dritte; Vermittlung von Handels- und Wirtschaftskontakten, auch über das Internet; Vermittlung von Ver- trägen über den An- und Verkauf von Waren und/oder die Erbringung von Dienstleistungen für Dritte; Beschaffungsdienstleistungen für Dritte (Erwerb von Waren und Dienstleistungen für andere Unter- nehmen); Zusammenstellung und Systematisierung von Daten in Computerdatenbanken; Pflege von Daten in Computerdatenbanken; Geschäftsführung, Beratung in Fragen der Geschäftsführung, Bera- tung bei der Organisation und Führung von Unternehmen; betriebs- wirtschaftliche und organisatorische Beratung; Werbung; Dienstleis- tungen einer Werbeagentur; Werbung in allen Medien, einschließlich Rundfunk-, Fernseh-, Kino-, Print-, Videotext-, Online- und Teletext- werbung; Organisation und Veranstaltung von Werbeveranstaltun- gen, sowie von Ausstellungen und Messen für wirtschaftliche und Werbezwecke; Vermietung von Werbeflächen im Internet; Verteilung von Werbematerial (Flugblätter, Prospekte, Drucksachen, Warenpro- ben); Vorführung von Waren für Werbezwecke; Waren- und Dienst- leistungspräsentationen für Werbezwecke; Aktualisierung von Wer- - 5 - bematerial; Planung und Gestaltung von Werbemaßnahmen; Marke- ting [Absatzforschung]; Marketing für Dritte in digitalen Netzen; Markt- und Meinungsforschung; Öffentlichkeitsarbeit [Public Rela- tions]; Werbung im Internet für Dritte; Präsentation von Firmen im Internet und anderen Medien; Sponsoring in Form von Werbung; Durchführung von Ausschreibungen, Auktionen, auch rückläufigen Auktionen, und Versteigerungen, auch im Internet; Durchführung von Preisvergleichen; Durchführung von Versteigerungen und Auktionen, insbesondere im Internet; Entwicklung von Prämienprogrammen als Kundenbindungsmaßnahmen für Marketingzwecke; Durchführung von Auktionen und Versteigerungen, auch im Internet; Klasse 38: Bereitstellung des Zugriffs auf Informationen im Internet; Bereitstel- lung von Internet-Chatrooms; elektronischer Austausch von Nach- richten mittels Chatlines, Chatrooms und Internetforen; E-Mail- Dienste; Telekommunikation; Telekommunikation mittels Plattformen und Portalen im Internet; Bereitstellung von Telekommunikationska- nälen für Teleshopping-Dienste; Weiterleiten von Nachrichten aller Art an Internet-Adressen (Web-Messaging); elektronische Anzeigen- vermittlung (Telekommunikation), Bereitstellung eines Zugriffs zu ei- ner e-commerce-Plattform im Internet; Dienstleistungen eines Inter- net-Providers, nämlich Vermietung von Zugriffszeiten zu Datennet- zen, insbesondere zum Internet; Telefondienste für eine Hotline oder Callcenter; Erbringen von Dienstleistungen in Verbindung mit Online- diensten, nämlich Liefern von Nachrichten (Presseagenturen) und Übermittlung von Informationen in Computernetzwerken; Bereitstellen eines Zugriffs auf Informationen im Internet, insbesondere auch ver- mittels interaktiv kommunizierender (Computer-)Systeme; Sammeln und Liefern von Nachrichten und allgemeinen Nachrichteninforma- tionen im Rahmen der Dienstleistungen von Presseagenturen, auch elektronischer Art, sowie Ausstrahlung von (TV/Radio)-Programmen - 6 - im World Wide Web; Ausstrahlen von Rundfunksendungen (Funk und Fernsehfunk); Dienste von Presseagenturen; Bereitstellung des Zugriffs auf Software in Datennetzen für Internetzugänge; Bereitstel- lung von Portalen im Internet; Bereitstellung des Zugriffs auf Compu- terprogramme in Datennetzen; Beratung für Telekommunikations- technik. Mit Beschluss vom 29. November 2010 hat die Markenstelle für Klasse 35 die Anmeldung gemäß §§ 37 Abs. 1, 8 Abs. 2 Nr. 1 MarkenG wegen Fehlens jeglicher Unterscheidungskraft zurückgewiesen. Zur Begründung wurde ausgeführt, dass sich das ohne weiteres verständliche deutsche Wort „Volks-Ratgeber“ nahtlos in vergleichbar gebildete Begriffe wie „Familienratgeber, Patientenratgeber, Prakti- kantenratgeber, Nichtraucherratgeber, Seniorenratgeber, Expertenratgeber“ u. s. w. einreihe. In seiner Gesamtbedeutung werde der Begriff „Volks-Ratgeber“ von den angesprochenen Verkehrskreisen so verstanden, dass es sich um einen Ratgeber für das Volk (und eben nicht einen für Experten, Senioren, Praktikanten etc.) handele. Dieses auf der Hand liegende Verständnis des Begriffs „Volks-Rat- geber“ führe bei einer Kennzeichnung der beanspruchten Waren und Dienstleis- tungen mit dem Anmeldezeichen zu der Vorstellung, dass dieselben in der einen oder anderen Weise mit einem solchen Volksratgeber in einem bestimmten Zu- sammenhang stünden, also insbesondere mit einem solchen speziellen Ratgeber ausgestattet seien. Jede Vorstellung über den Bezug zwischen dem Anmeldezei- chen und den damit gekennzeichneten Waren und Dienstleistungen werde in ir- gendeiner Weise sachbezogen sein, so dass der Begriff nicht als betrieblicher Herkunftshinweis verstanden werde. Auch die grafische Gestaltung verleihe dem Anmeldezeichen keine Unterscheidungskraft. Bei der unterschiedlichen farbigen Gestaltung des Hintergrundes der einzelnen Wortbestandteile unter Verwendung der Signalfarbe Rot und der rechteckigen Umrahmung des Gesamtzeichens han- dele es sich um verbreitete, werbeübliche Gestaltungsmittel, mit denen lediglich die durch die Wortbestandteile verkörperte (Werbe-)Botschaft für den Verkehr leicht wahrnehmbar gestaltet werden solle. Auch die Eintragung der entsprechen- - 7 - den Bildmarke (306 73 949) führe entgegen der Auffassung der An- melderin zu keiner anderen Beurteilung, da bei Würdigung des hier angemeldeten Gesamtzeichens diese grafische Gestaltung vollkommen in den Hintergrund trete, so dass sie nicht als Herkunftshinweis dienen könne. Die für die Anmelderin be- reits eingetragenen gleichgebildeten Marken der „Volks“-Markenserie könnten - auch unter Berücksichtigung der Entscheidung des EuGH vom 12. Februar 2009 (verbundene Rechtssachen C-39/08 und C-43/08 - Volks.Handy, Volks.Cam- corder, Volks.Kredit und SCHWABENPOST) - an der fehlenden Eintragbarkeit des Anmeldezeichens nichts ändern, da das DPMA nicht verpflichtet sei, sich mit ver- gleichbaren Voreintragungen zu befassen. Zur Begründung seiner dies- bezüglichen Rechtsauffassung bezieht sich das DPMA auf die Entscheidung des BPatG 33 W (pat) 52/08 - Burg Lissingen. Hiergegen richtet sich die Beschwerde der Anmelderin. Dieser liegt senatsbekannt aus neun Parallelverfahren (29 W (pat) 195/10 u. a.), in denen ausführlich vorge- tragen und mündlich erörtert wurde, folgendes Vorbringen der Beschwerdeführerin zugrunde: Ein Kernpunkt ihrer geschäftlichen Tätigkeit sei die crossmediale Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen zur Bewerbung, Vertreibung und zum Absatz von so- genannten „Volks-Produkten“. Seit 2002 führe sie - die Beschwerdeführerin, eine 100 %ige Tochter des deutschen Konzerns A… AG - sogenannte „Volks-Aktionen“ durch, im Rahmen derer sie und ihr jeweiliger Kooperationspart- ner gemeinsam ein Produkt auswählten, welches dann exklusiv als „Volks-Pro- dukt“ herausgebracht werde. Sie habe in der Zeit von September 2002 bis No- vember 2010 über 100 solcher „Volks-Aktionen“ durchgeführt. Neben der Konzep- tion und den jeweiligen Namen/Logos bringe sie ihrerseits eine besondere Wer- beleistung in die Kooperation ein, indem sie die - von ihrem jeweiligen Koopera- tionspartner eingebrachten - Produkte umfangreich in Zeitungsbeilagen, gegen- seitigen Anzeigen in der BILD-Zeitung, der „BILD am Sonntag“ sowie anderen Ti- - 8 - teln der A… AG, auf dem eigenen Internetportal und in diversen anderen Medien bewerbe. Bis Ende Oktober 2010 seien 54 gleichgebildete „Volks“-Marken beim DPMA re- gistriert worden, daneben eine Vielzahl von entsprechenden Gemeinschaftsmar- ken. Die Marken seien jeweils aus dem Bestandteil „Volks“ und der Gattungsbe- zeichnung, die das konkrete Produkt beschreibe, sowie in einer dem Corporate Identity der BILD entsprechenden bildlichen Ausgestaltung zusammengesetzt. Die im Streit stehende Marke reihe sich zwanglos in die bekannte „Volks“-Markenserie ein. Ein besonderes Kennzeichen der „Volks“-Markenserie sei die unmittelbar er- kennbare Verwandtschaft zur Stammmarke (30135695) der A… AG. Die in allen Marken der Serie wiederkehrende bildliche Gestal- tung (rot-schwarzer Balken, der Begriff „Volks“ auf rotem Hintergrund, sowie eine Gattungsbezeichnung auf schwarzem Hintergrund) spreche für die Wiedererkenn- barkeit der einzelnen Marken sowie die Zuordnung zu ihrem Herkunftsbetrieb. II. Die nach § 66 Abs. 1 und 2 MarkenG zulässige Beschwerde der Anmelderin hat in der Sache Erfolg. Der Eintragung des vorliegenden Wort-/Bildzeichens als Marke gemäß §§ 33 Abs. 2, 41 MarkenG steht kein absolutes Schutzhindernis, insbesondere auch nicht das der fehlenden Unterscheidungskraft oder des Freihaltebedürfnisses nach § 8 Abs. 2 Nr. 1 oder Nr. 2 MarkenG, entgegen. - 9 - 1. Unterscheidungskraft im Sinne des § 8 Abs. 2 Nr. 1 MarkenG ist die einem Zeichen innewohnende (konkrete) Eignung, vom Verkehr als Unterscheidungs- mittel aufgefasst zu werden, welches die in Rede stehenden Waren oder Dienst- leistungen als von einem bestimmten Unternehmen stammend kennzeichnet und diese Waren oder Dienstleistungen somit von denjenigen anderer Unternehmen unterscheidet (BGH GRUR 2006, 850, 854 Rdnr. 18 - FUSSBALL WM 2006; 2008, 1093, 1094 Rdnr. 13 - Marlene-Dietrich-Bildnis I). Denn die Hauptfunktion der Marke besteht darin, die Ursprungsidentität der gekennzeichneten Waren oder Dienstleistungen zu gewährleisten. Da allein das Fehlen jeglicher Unterschei- dungskraft ein Eintragungshindernis begründet, ist ein großzügiger Maßstab an- zulegen, so dass jede auch noch so geringe Unterscheidungskraft genügt, um das Schutzhindernis zu überwinden (BGH a. a. O. - FUSSBALL WM 2006; a. a. O. - Marlene-Dietrich-Bildnis I; GRUR 2009, 411 Rdnr. 8 - STREETBALL; 778, 779 Rdnr. 11 - Willkommen im Leben; 949 f. Rdnr. 10 - My World). Wortmarken besit- zen dann keine Unterscheidungskraft, wenn ihnen die maßgeblichen Verkehrs- kreise lediglich einen im Vordergrund stehenden beschreibenden Begriffsinhalt zuordnen (vgl. u. a. EuGH GRUR 2004, 674, 678 Rdnr. 86 - Postkantoor; BGH GRUR 2001, 1153 - anti KALK; GRUR 2005, 417, 418 - BerlinCard; a. a. O. Rdnr. 19 - FUSSBALL WM 2006; GRUR 2009, 952, 953 Rdnr. 10 - Deutsch- landCard) oder wenn diese aus gebräuchlichen Wörtern oder Wendungen der deutschen Sprache oder einer geläufigen Fremdsprache bestehen, die - etwa wegen einer entsprechenden Verwendung in der Werbung oder in den Medien - stets nur als solche und nicht als Unterscheidungsmittel verstanden werden (vgl. u. a. BGH GRUR 2001, 1043, 1044 - Gute Zeiten - Schlechte Zeiten; BGH GRUR 2003, 1050, 1051 - Cityservice; a. a. O. - FUSSBALL WM 2006). Besteht eine Marke aus mehreren Elementen, ist bei der Beurteilung der Unterschei- dungskraft von der Gesamtheit der Marke auszugehen (BGH GRUR 2001, 162, 163 - RATIONAL SOFTWARE CORPORATION; a. a. O. - anti Kalk; GRUR 2011, 65 Rdnr. 10 - Buchstabe T mit Strich). Dabei hat sich die Prüfung darauf zu ers- trecken, ob die Marke als solche, jedenfalls mit einem ihrer Elemente, den (gerin- gen) Anforderungen an die Unterscheidungskraft genügt. - 10 - 2. Nach diesen Grundsätzen kann vorliegend - entgegen der vom DPMA vertretenen Auffassung - nicht festgestellt werden, dass das verfahrensgegen- ständliche Wort-/Bildzeichen dem Schutzhindernis nach § 8 Abs. 2 Nr. 1 MarkenG unterliegt. Soweit die Wortbestandteile der angemeldeten Kombinationsmarke für die bean- spruchten Waren und Dienstleistungen einen im Vordergrund stehenden be- schreibenden Sinngehalt bzw. einen engen beschreibenden Bezug zu diesen auf- weisen, wird dieser jedenfalls durch die - die Mindestanforderungen an das Vorlie- gen einer noch so geringen Unterscheidungskraft erfüllende - grafische Ausge- staltung so weit überlagert, dass der Marke in ihrer Gesamtheit die erforderliche Unterscheidungskraft nicht mehr abgesprochen werden kann. a) Der Text des angemeldeten Zeichens enthält die beiden in der deutschen Sprache geläufigen Wortelemente „Volks“ und „Ratgeber“, die durch einen Punkt getrennt sind. aa) „Volks“ ist der Genitiv des Substantivs „Volk“, welches eine „durch gemein- same Kultur, Geschichte (und Sprache) verbundene große Gemeinschaft von Menschen“ bzw. die „Masse der Angehörigen einer Gesellschaft, der Bevölkerung eine Landes, eines Staates“ bezeichnet (Duden - Deutsches Universalwörterbuch, 6. Aufl. 2006 [CD-ROM]). In der deutschen Sprache gibt es eine Reihe von geläu- figen Begriffen, die aus einem Substantiv mit einem vorangestelltem „Volks-“ ge- bildet sind. Diese zusammengesetzten Begriffe lassen sich in fünf Gruppen ein- teilen: (1) Begriffe, bei denen dem Bestandteil „Volks-“ die Bedeutung „für alle/jedermann, von allen/jedermann, allen/jedermann zugänglich, alle/jedermann betreffend, sich an alle/jedermann wendend, von allen/jedermann ausgeübt“ zu- kommt, wie „Volksaufstand, Volksbelustigung, Volksbrauch, Volksbücherei, Volkseinkommen, Volksempfinden, Volksfeind, Volksfest, Volksgemeinschaft, - 11 - Volksgesundheit, Volksglaube, Volksheld, Volkshochschule, Volksnahrungsmittel, Volksschule, Volksseele, Volksseuche, Volkssport, Volkssprache, Volksstamm, Volkstracht, Volkstrauertag, Volkswirtschaft“ (vgl. Duden - Deutsches Universal- wörterbuch a. a. O.; Wortschatzportal Universität Leipzig, http://wortschatz.uni- leipzig.de). (2) Begriffe mit politischer Bedeutung, wie „Volksabstimmung, Volksarmee Volksbefragung, Volksbegehren, Volksdemokratie, Volksentscheid, Volksfront, Volkspartei, Volkssouveränität“ (vgl. Duden - Deutsches Universalwörterbuch a. a. O.). (3) Begriffe, bei denen der Bestandteil „Volks-“ auf etwas hinweist, das volkstüm- lich bzw. vom Geist und von der Überlieferung des Volkes geprägt oder getragen ist, wie „Volksdichtung, Volkskunst, Volkslied, Volksmedizin, Volksmärchen, Volksmund, Volksstück“ (vgl. Duden - Deutsches Universalwörterbuch a. a. O.). Volkstümlich bedeutet „in seiner Art dem Denken und Fühlen des Volkes entspre- chend, entgegenkommend“ bzw. „dem Volk eigen“, „populär, gemeinverständlich“ (Duden - Deutsches Universalwörterbuch a. a. O.). Es beinhaltet nicht das Ver- ständnis von „einfaches/gehobenes Volk“ bzw. „Schichten“. (4) Nur bei einem dieser zusammengesetzten Begriffe weist der Bestandteil „Volks-“ einen Bezug zu sozialen Schichten auf, nämlich „Volkstheater“ mit der Bedeutung „Theater, das (im Unterschied zum höfischen Theater) inhaltlich und finanziell von allen sozialen Schichten getragen wird (Duden - Deutsches Univer- salwörterbuch a. a. O.). - 12 - (5) Vereinzelt und lediglich bei veralteten Begriffen kommt dem vorangestellten Element „Volks-“ die Bedeutung „günstig, billig, preiswert“ zu, wie etwa bei dem (veralteten) Begriff „Volksausgabe“ mit der Bedeutung „einfach ausgestattete, preiswerte Buchausgabe“ (Duden - Deutsches Universalwörterbuch a. a. O.). Die sogenannten „Volksprodukte“ aus der Zeit des Dritten Reiches, wie „Volkswagen“ und „Volksempfänger“, implizierten zwar, dass die Ware preiswert und für jeder- mann erschwinglich war und die niedrigen Preise diese Produkte für jedermann zugänglich machen sollten (vgl. Aufsatz „Luxus fürs Volk“ vom 16. Dezember 2003 von Prof. Dr. König, TU Berlin, www.uni-protokolle.de/nachrichten/text/27195/); sie wurden damals als Mittel der Politik zur Sympathieerregung für die Ziele des Drit- ten Reiches eingesetzt. An Konnotationen aus der Zeit des Dritten Reiches, von der sich die deutsche Bevölkerung seit der Entstehung der Bundesrepublik distan- ziert hat und die im heutigen deutschen Sprachgebrauch nicht mehr üblich sind, knüpft der Senat nicht an, und dies nicht nur, weil sie ihm veraltet erscheinen, was im Übrigen dadurch belegt wird, dass ein „Volkswagen“ heutzutage teurer ist als manch andere Kraftfahrzeugmodelle. bb) Ein „Ratgeber“ bezeichnet zum einen „eine Person, die jemandem einen Rat erteilt, jemanden berät“, zum anderen ein „Büchlein o. Ä., in dem Anleitungen, Tipps o. Ä. für die Praxis auf einem bestimmten Gebiet enthalten sind“ (Duden - Deutsches Universalwörterbuch a. a. O.). Auf dem Buchmarkt finden sich Ratge- ber für die unterschiedlichsten Bereiche, wie beispielsweise „Der ultimative Ratge- ber für alles“, „Die ganze Welt der Kräuter: Der große Ratgeber für Haus und Garten“, „Ratgeber Panikstörung und Agoraphobie“, „Ratgeber Betreuungsrecht“ (vgl. www.buecher.de unter dem Suchbegriff „Ratgeber“), „Ermutigen statt kritisie- ren: Ein Elternratgeber nach Rudolf Dreikurs …“, „Steuerratgeber für Solda- ten 2011 …“, „Ratgeber energiesparendes Bauen …“, „Der Buchführungs-Ratge- ber …“, „Der spirituelle Lebens-Ratgeber …“, „Das große GU Babybuch (Gr. Rat- geber Partnerschaft & Familie)“ (vgl. www.amazon.de unter dem Suchbegriff „Rat- geber“). - 13 - cc) Der Punkt zwischen den beiden Wortelementen ist optisch eine Zäsur und darf nicht unbeachtet bleiben. Denn auch ein für sich genommen schutzunfähiger Bestandteil kann für die Schutzfähigkeit des Gesamtzeichens Bedeutung erlan- gen. Der Umstand, dass ein Bindestrich oder - wie hier - ein Punkt aufgrund seiner orthografischen Funktion vom Verkehr nicht als eigenständiges Zeichen wahrge- nommen werden mag, rechtfertigt es nicht, diesen Zeichenbestandteil bei der Prüfung der Schutzfähigkeit des angemeldeten Zeichens unberücksichtigt zu las- sen. Da es sich um die Anmeldung eines zusammengesetzten Zeichens handelt, ist maßgeblich, welchen Gesamteindruck der Verkehr mit dem zusammengesetz- ten Zeichen verbindet (BGH a. a. O. Rdnr. 12 - Buchstabe T mit Strich). dd) Die beiden Wortbestandteile verbinden sich im Sprachfluss zu dem sprachüblich gebildeten Gesamtbegriff „Volksratgeber“. Dieser Gesamtbegriff ist in den gängigen Lexika und Wortschatzdatenbanken (Duden - Deutsches Universal- wörterbuch a. a. O.; Wortschatzportal Universität Leipzig a. a. O.) nicht nachweis- bar und stellt daher eine sprachliche Neuschöpfung dar. Wie eine Recherche des Senats, auch im Internet unter www.google.de, ergeben hat, taucht dieser kon- krete Begriff bislang nicht auf. Allerdings wird der Ausdruck „Ratgeber für das Volk“ u. a. auf dem Buch- und Tonträgermarkt beschreibend verwendet, so für ein Buch von Robin Mishra mit dem Titel „Wie ich lernte, die Politiker zu lieben“, welches als „Ein Ratgeber für das Volk und seine Vertreter“ bezeichnet wird (www.herder.de/buecher/de- tails?k_tnr=30157), oder in einem Online-Beitrag über medizinische CD-ROMs für Laien zur Selbstdiagnose, die als „Medizin-Ratgeber fürs Volk“ benannt werden (https://www.heise.de/artikel-archiv/ct/1996/10/232_Medizin-Ratgeber-fuers-Volk). Ausgehend von den Feststellungen unter aa), dass das vorangestellte Wort „Volks-“ bei zusammengesetzten Substantiven überwiegend die Bedeutung „für alle/jedermann“ hat, und vor dem Hintergrund der oben dargestellten Recherche- ergebnisse kann die Wortverbindung „Volksratgeber“ in ihrer Gesamtbedeutung - 14 - von den angesprochenen inländischen Verkehrskreisen daher ohne weiteres als Sachhinweis auf ein Buch, eine CD o. Ä. verstanden werden, in dem/der allgemein gültige Tipps, Empfehlungen oder Ratschläge, die für jedermann von Bedeutung oder geeignet sein können, enthalten sind. So können insbesondere die in Klasse 9 beanspruchten Waren „bespielte Ton-, Bild- und Datenträger aller Art (soweit in dieser Klasse enthalten), Magnetauf- zeichnungsträger und Datenträger sowie Magnetdatenträger, optische Datenträ- ger“ sowie die in Klasse 16 angemeldeten „Lichtbild- und Druckereierzeugnisse, nämlich Druckschriften aller Art, insbesondere Bücher, Zeitungen, Zeitschriften, Magazine, Broschüren, Kataloge, Periodika …“ solche Ratgeber für jedermann darstellen bzw. zum Inhalt haben. Insoweit erschöpft sich der Markentext daher in einer Sachangabe über die Art und den Inhalt der Waren. b) Aber ungeachtet eines beschreibenden Begriffsinhalts der Wortbestandteile für die o. g. Waren und eines in Betracht kommenden (zumindest) engen be- schreibenden Bezugs hinsichtlich eines Teils der weiter beanspruchten Waren und Dienstleistungen der Klassen 9, 16, 35 und 38, erhält das angemeldete Zeichen jedenfalls durch die grafische Ausgestaltung die Funktion eines Unterscheidungs- mittels. Grundsätzlich kann einer Wortelemente enthaltenden Bildmarke - unbeschadet einer etwaigen fehlenden Unterscheidungskraft dieser Wortelemente - als Ge- samtheit Unterscheidungskraft zugesprochen werden, wenn die grafischen Ele- mente ihrerseits charakteristische Merkmale aufweisen, in denen der Verkehr ei- nen Herkunftshinweis sieht (BGH GRUR 1991, 136, 137 - NEW MAN; a. a. O. - anti Kalk; EuGH GRUR 2006, 229, 233 Rdnr. 73, 74 - BioID). Dabei vermögen allerdings einfache grafische Gestaltungen oder Verzierungen des Schriftbilds, an die sich der Verkehr etwa durch häufige werbemäßige Verwendung gewöhnt hat, eine fehlende Unterscheidungskraft der Wörter ebenso wenig aufzuwiegen, wie derartige einfache grafische Gestaltungselemente auch für sich wegen fehlender - 15 - Unterscheidungskraft nicht als Marke eingetragen werden können. Es bedarf viel- mehr eines auffallenden Hervortretens der grafischen Elemente, um sich dem Verkehr als Herkunftshinweis einzuprägen (BGH a. a. O. 1153, 1154 - anti Kalk; GRUR 2008, 710, 711 Rdnr. 20 - VISAGE). aa) Das verfahrensgegenständliche Zeichen zeigt zwei Wortelemente in weißer Farbe und einheitlicher Schriftart auf einem rot/schwarzen Balken mit grauer Um- randung, wobei das Wortelement „Volks“ auf rotem und das Wortelement „Ratge- ber“ auf schwarzem Hintergrund steht. Das (kleinere) rote und das (größere) schwarze Rechteck innerhalb des Balkens werden durch eine vertikale weiße Li- nie voneinander getrennt. Diese Linie wird wiederum von einem rechteckigen weißen Punkt, der sich zwischen den beiden Wortelementen an der Textunter- kante befindet, durchbrochen. bb) Diese bildliche Ausgestaltung des Anmeldezeichens genügt noch den an die Unterscheidungskraft zu stellenden (geringen) Mindestanforderungen. Die einzelnen Gestaltungsmittel, aus denen das vorliegend zu beurteilende Zei- chen zusammengesetzt ist - insbesondere die rechteckigen Formen, in denen die Wortelemente untergebracht sind, die Inverswiedergabe der Wortbestandteile (d. h. in Form von weißen Buchstaben auf dunklem farbigen Hintergrund) sowie die Umrahmung der Gesamtmarke - mögen hier je für sich genommen noch als werbeüblich anzusehen sein. Der Beurteilung der Schutzfähigkeit ist jedoch im Rahmen einer Einzelfallbetrachtung die ganz konkrete Gesamtgestaltung zugrunde zu legen; nur sofern diese selbst ebenfalls als werbeüblich anzusehen ist, kommt eine Schutzversagung in Betracht. Die Bedeutung, die einem einzelnen Bestandteil für den Gesamteindruck eines mehrgliedrigen Zeichens zukommt, hängt maßgeblich auch davon ab, in welcher Beziehung er innerhalb der konkre- ten Gestaltung des jeweiligen Gesamtzeichens zu den übrigen Zeichenbestand- teilen steht (BGH GRUR 2011, 148 - Goldhase II). Auch die Komplexität der Ge- staltung ist ein Indiz für die Schutzfähigkeit, denn je höher diese ausfällt, umso - 16 - eher wird der Verkehr geneigt sein, in der grafischen Wiedergabe der Gesamt- marke nicht nur den beschreibenden Inhalt der Wortbestandteile wahrzunehmen, sondern sie als Herkunftshinweis aufzufassen (BPatG 27 W (pat) 32/08 - Neue Post). Eine solche schutzbegründende Komplexität kann vorliegend aber nicht verneint werden. So werden die jeweiligen Hintergründe der Wortbestandteile ver- schiedenfarbig gehalten; die Gesamtmarke enthält insgesamt vier Farben (rot, schwarz, weiß, grau). Hinzu tritt der in Form eines weißen Rechtecks dargestellte Punkt zwischen den beiden Wortelementen, der die zwischen den Farbfeldern vertikal verlaufende weiße Linie durchbricht, wodurch der Punkt besonders auffällt und charakteristisch wirkt. Die ganz konkrete Zusammenstellung dieser verschie- denen Gestaltungsmittel, auch wenn sie für sich genommen werbeüblich sein mö- gen, genügt damit noch, um der bildlichen Ausgestaltung des Anmeldezeichens nicht jegliche Unterscheidungskraft absprechen zu können. cc) Weiter ist zu berücksichtigen, dass für die Beschwerdeführerin von 2004 bis Ende 2010 bereits 62 entsprechend gebildete deutsche Wort-/Bildmarken aus der „Volks“-Markenfamilie u. a. für Dienstleistungen der Klassen 35 und 38 eingetra- gen sind, die jeweils aus dem Bestandteil „Volks“ und der Gattungsbezeichnung, die das konkrete Produkt beschreibt, sowie einer der Grafik des vorliegenden Zei- chens entsprechenden bildlichen Ausgestaltung (rot/schwarzer Balken mit grauer Umrahmung, der Begriff „Volks“ auf rotem Hintergrund, die jeweilige Gattungsbe- zeichnung auf schwarzem Hintergrund, weiße Buchstaben, weiße Trennlinie, rechteckiger Punkt zwischen den Wortelementen) zusammengesetzt sind, wie u. a. die zuletzt eingetragenen Marken (30 2008 007 702, eingetragen am 21. April 2008 für Waren und Dienstleistungen der Klassen 25, 35, 38); (30 2009 000 798, eingetragen am 8. Juli 2009 für Waren und Dienstleistungen der Klasen 25, 35, 38); - 17 - (30 2009 000 5672, eingetragen am 1. Juli 2009 für Waren und Dienstleistungen der Klassen 3, 5, 35, 38); (30 2009 016 935, eingetragen am 27. Oktober 2009 für Waren und Dienstleistungen der Klassen 30, 35, 38); (30 2009 016 945, eingetragen am 27. Oktober 2009 für Dienstleistungen der Klassen 35, 38, 42); (30 2009 016 921, eingetragen am 4. November 2009 für Waren und Dienstleistungen der Klassen 20, 35, 38); (30 2009 068 410, eingetragen am 19. Mai 2010 für Waren und Dienstleistungen der Klassen 3, 5, 35, 38); (30 2009 061 595, eingetragen am 2. August 2010 für Wa- ren und Dienstleistungen der Klassen 9, 35, 38, 41); (30 2009 061 597, eingetragen am 2. August 2010 für Waren und Dienstleistungen der Klassen 9, 35. 38, 41). Die Beschwerdeführerin hat in den o. g. Parallelverfahren glaubhaft dargelegt, dass sie von September 2002 bis Februar 2011 im Rahmen der crossmedialen Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen insgesamt 122 sog. „Volks-Aktionen“ durchgeführt hat, die jeweils wenige Wochen angedauert haben (vgl. Übersicht „Volks-Aktionen“ - Stand 7. Februar 2011, Anlage zum Protokoll der mündlichen Verhandlung vom 9. Februar 2011, Bl. 173/174 GA 29 W (pat) 195/10). Neben der Konzeption und den jeweiligen Namen/Logos bringt die Beschwerdeführerin eine besondere Werbeleistung in die Kooperation ein, indem sie die - von ihrem jewei- ligen Kooperationspartner eingebrachten - Produkte umfangreich in Zeitungsbeila- gen, gegenseitigen Anzeigen in der BILD-Zeitung, der „BILD am Sonntag“ sowie - 18 - anderen Titeln der A… AG, auf dem eigenen Internetportal und in diver- sen anderen Medien bewirbt. Die Absatzzahlen der bisherigen „Volks-Aktionen“ belaufen sich auf insgesamt über … Euro (vgl. Anlage H 8 zum Schrift- satz vom 19. November 2010, Bl. 69/70 GA 29 W (pat) 195/10), insgesamt sind rund … „Volks-Produkte“ verkauft worden, d. h. im Durchschnitt hat jeder zweite Bundesbürger ein solches Produkt erworben. Die Bewerbung von ver- schiedenen „Volks-Produkten“ ergibt sich aus den von der Beschwerdeführerin vorgelegten Unterlagen (Anzeigen zu verschiedenen „Volks-Aktionen“, Anlage H 12 zum Schreiben vom 7. Februar 2011, Bl. 152 - 161 GA 29 W (pat) 195/10, und Anlage H 17 zum Schriftsatz vom 14. März 2011, Bl. 218 - 235 GA 29 W (pat) 195/10; Pressestimmen zu den Volks-Produkten, Anlage zum o. g. Protokoll, Bl. 175 GA 29 W (pat) 195/10; Plakat zur 100. Volks-Aktion, Anlage zum o. g. Protokoll) und ist dem Senat auch aus eigener Wahrnehmung in den Medien bekannt. Die ständige Präsenz einer Vielzahl von - insbesondere hinsichtlich Layout, De- sign, Farbgebung und Struktur - gleichartig aufgebauten Wort-/Bildzeichen aus der „Volks“-Markenfamilie auf dem deutschen Markt seit nunmehr mindestens sie- ben Jahren rechtfertigt den Schluss, dass sich der Verkehr inzwischen an diese Art der Aufmachung als Kennzeichnung der jeweiligen Produkte gewöhnt hat und darin einen betrieblichen Herkunftshinweis sieht (EuGH GRUR 2010, 228 Rdnr. 59 - Vorsprung durch Technik). Hierfür spricht zudem die erkennbare Verwandtschaft der „Volks“-Marken zur Stammmarke (30135695) der A… AG, die Hauptgesellschafterin der Beschwerdeführerin ist, und der offensichtliche Be- zug zu der beim deutschen Publikum allgemein bekannten BILD-Zeitung. - 19 - dd) Indiziell für die Schutzfähigkeit des Anmeldezeichens spricht, dass die Grafik für sich allein schon als Bildmarke (306 73 949) eingetragen ist, so dass von einer Schutzfähigkeit der bildlichen Ausgestaltung als solcher aus- gegangen werden muss. Es mag sich zwar lediglich um eine Platzhaltermarke handeln, was dem DPMA zweifellos erkennbar sein musste, dennoch kam es zu ihrer Eintragung. Eine Schutzfähigkeit nunmehr zu verneinen, bleibt allein dem Verfahren nach § 50 MarkenG vorbehalten. Dieser grafischen Gestaltung kann daher innerhalb des angemeldeten Gesamtzeichens nicht jegliche Unterschei- dungskraft abgesprochen und sie nur als werbemäßig angesehen werden. Abgesehen davon tritt sie auch entgegen der Ansicht des DPMA durch die sachbezogenen Wortbestandteile nicht vollkommen in den Hintergrund, sondern ist zumindest als gleichwertig anzusehen (siehe oben unter bb). Der Senat geht zudem nicht von einem grundsätzlich rechtswidrigen Handeln des DPMA bei der Eintragung dieser Vielzahl von 62 „Volks“-Marken und der obigen Bildmarke aus. ee) Eine andere Beurteilung folgt auch nicht daraus, dass die angesprochenen Verkehrskreise in dem Anmeldezeichen neben dem Herkunftshinweis auch gleichzeitig eine Werbebotschaft für die damit gekennzeichneten Waren und Dienstleistungen erkennen. Denn zum einen schließen sich die Identifizierungs- funktion der Marke einerseits und die Werbewirkung andererseits nicht aus, zum anderen steht der anpreisende Charakter des Anmeldezeichens nicht derart im Vordergrund, dass der Verkehr ihm nicht mehr einen Herkunftshinweis entnehmen kann (EuGH a. a. O. Rdnr. 44 und 45 - Vorsprung durch Technik; BGH a. a. O. Rdnr. 28 - My World). Die betriebliche Herkunftshinweiswirkung der Marken aus der „Volks“-Markenfamilie ergibt sich für das Publikum insbesondere aus folgen- den Faktoren, die zum Teil kumulativ auftreten: - 20 - - Die Bewerbung der „Volks-Aktionen“ durch prominente Test- personen, wie beispielsweise die „Volks-Farbe“ durch Fuß- ball-Weltmeister Andy Brehme, der „Volks-Wanderschuh“ durch Biathlon-Olympiasiegerin Uschi Disl, das „Volks-Los“ durch TV-Moderator Frank Elstner, der „Volks-Rasierer“ durch Ex-Tennisprofi Carl-Uwe Steeb, die „Volks-Arznei“ durch die Skisportlegenden Rosi Mittermaier und Christian Neureuther, das „Volks-Frühstück“ durch Fußball- Weltmeister Karl-Heinz Riedle und die „Volks-Fernbedie- nung“ durch TV-Moderator Hendrik Hey. Hieraus entnimmt der Verkehr einen Qualitätshinweis, da die Prominenten das Produkt laut den Anzeigen getestet haben und hiervon über- zeugt („begeistert“) sind. - Ein günstiger (Aktions-)Preis, wie beispielsweise das „Volks- Profispray“ zum „Aktionspreis: 5,49 €“, die „Volks-Fernbedie- nung“ zum „Aktionspreis: 24,99 €“, der „Volks-Wanderschuh“ für „nur 79,75 €“, der „Volks-Rasierer“ als „unschlagbares Ass zum fairen Preis von nur 99,00 €“; das „Volks-Telefon“ als „Höchstkomfort zum Niedrigpreis … nur 59,99 €“, die „Volks-Zahnbürste“ für „29,99 € statt 44,99 €“, das „Volks- Sandwich nur für kurze Zeit zum Probierpreis 2,22 €“ das „Volks-Notebook“ für „nur 449 €. - Eine Zugabe zum eigentlichen Produkt bzw. eine Sonderabgabegröße, wie z. B. bei der „Volks-Farbe“, bei der es zu jedem 750 ml Aktionsgebinde eine Magnetfahne fürs Auto gratis dazu gibt, beim „Volks-Profispray“ mit 300 ml In- halt „+ 30 ml EXTRA“, bei der „Volks-Versicherung“, bei der es beim Beratungsgespräch einen MP4-Player gratis gibt, beim „Volks-Menü“ mit „+ 1 von 4 Design-Gläsern nach - 21 - Wahl“, bei der „Volks-Arznei … mit den besonderen Extras: Kräutertee + Honig + Honig-Löffel“ bzw. „nur jetzt mit dem gratis Designer-Teeglas“, oder beim „Volks-Notebook“, bei dessen Kauf man eine Notebook-Tasche oder einen Ruck- sack zum „einmaligen Vorzugspreis von jeweils nur 29,90 €“ erhält. - Besondere Ausstattungsmerkmale bzw. Leistungsinhalte, wie die „Volks-Versicherung“ mit „mehr Sicherheit dank 110 %iger Beitragsgarantie“, das „Volks-Los“ mit „zusätzli- chen Gewinnchancen für alle“, das „Volks-Telefon … jetzt mit dem neuen KX-TG7521“, das „neue Volks-Sandwich“ mit „der Extraportion Vollkorn-Geschmack“, das „Volks-Früh- stück“ mit „SuperSnack und Kaffee“ oder das „Volks-Note- book“, bei dem der Kunde ohne Aufpreis aus acht verschie- denen Abdeckungen wählen kann. - Der jeweils gut sichtbare Hinweis in den Anzeigen und auf den Waren, dass es sich um „Eine gemeinsame Volks-Aktion von … (dem jeweiligen Kooperationspartner und) Bild.de“ handelt (vgl. zu den obigen Ausführungen insgesamt die von der Beschwerdeführerin vorgelegten Anzeigen zu verschie- denen Volks-Aktionen, Bl. 152 - 169 und Bl. 218 - 235 GA 29 W (pat) 195/10, sowie die Pressestimmen zu den Volks- Produkten S. 13, 17, 18, 20, 24, 28, 30, 32, 34, 36. 38, 58, Anlage zum o. g. Protokoll). Die o. g. Faktoren vermitteln dem angesprochenen Publikum den Eindruck, dass die jeweiligen Produkte nicht lediglich von dem hinter Bild.de stehenden Unter- nehmen werbemäßig empfohlen werden, sondern dieses vielmehr auch Einfluss auf deren Auswahl und Besonderheiten hat verbunden mit der Botschaft, dass es - 22 - das jeweilige Produkt nur im Rahmen seiner Volks-Aktionen zu diesem Preis bzw. mit den besonderen Dreingaben und/oder Ausstattungsmerkmalen gibt. Damit verfügen die Zeichen der „Volks“-Markenserie über die Eignung, die damit ge- kennzeichneten Produkte als solche eines bestimmten Unternehmens zu individu- alisieren. Sämtliche oben dargestellten Umstände hat das DPMA bei der Prüfung der Unter- scheidungskraft des Anmeldezeichens im vorliegenden Einzelfall nicht gewürdigt. 3. Im Hinblick auf die unterscheidungskräftige grafische Gestaltung unterliegt das angemeldete Zeichen ungeachtet seiner nicht unterscheidungskräftigen Wort- elemente auch keinem Freihaltebedürfnis nach § 8 Abs. 2 Nr. 2 MarkenG. Denn es wird nicht der Schutz für eine zeichenmäßige Verwendung der Wortverbindung „Volks-Ratgeber“ in jedweder Form, sondern nur in der gegebenen grafischen Gestaltung begehrt. Diese bestimmt und beschränkt zugleich den Schutzbereich der beanspruchten Bezeichnung (vgl. BGH a. a. O. - NEW MAN). Der angefochtene Beschluss war daher aufzuheben. Vorsitzende Richterin Grabrucker ist aufgrund krankheitsbedingter Abwesenheit gehindert zu unter- schreiben. Kortge Kortge Dorn Cl