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Urteil

27 O 341/11

Landgericht Köln, Entscheidung vom

ECLI:DE:LGK:2012:0301.27O341.11.00
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Tenor

Die Klage wird ab­ge­wie­sen.

 

Die Kos­ten des Rechts­streits trägt der Klä­ger.

 

Das Urteil ist gegen Si­cher­heits­leis­tung in Höhe von 110 % des je­weils zu voll­stre­cken­den Be­tra­ges vor­läu­fig voll­streck­bar.

Entscheidungsgründe
Die Klage wird ab­ge­wie­sen. Die Kos­ten des Rechts­streits trägt der Klä­ger. Das Urteil ist gegen Si­cher­heits­leis­tung in Höhe von 110 % des je­weils zu voll­stre­cken­den Be­tra­ges vor­läu­fig voll­streck­bar. T A T B E S T A N D Am 24.03.2009 be­stell­te der Klä­ger bei der Auto T GmbH in Braun­schweig, einer Ver­trags­händ­lerin der Be­klag­ten, den ge­brauch­ten PKW Nis­san Path­fin­der mit der Fahr­zeug­iden­ti­fi­ka­tions­num­mer ####, wel­cher am 10.09.2008 erst­zu­ge­las­sen wor­den war, zu einem Kauf­preis in Höhe von 24.000,00 €. Wegen der Ein­zel­hei­ten wird auf die Ge­braucht­wa­gen­be­stel­lung vom 24.03.2009, An­la­ge K1 (Bl. 13 d. GA.) ver­wie­sen. Das Fahr­zeug wurde am 31.03.2009 an den Klä­ger aus­ge­lie­fert. Die Be­klag­te ge­währ­te für die­sen Wagen eine drei­jäh­ri­ge Her­stel­ler­ga­ran­tie ab Erst­zu­las­sung be­schränkt auf eine ma­xi­ma­le Ki­lo­me­ter­lauf­leis­tung von 100.000 km. Gem. Zif­fer 4 der Ga­ran­tie­be­din­gun­gen wer­den im Rah­men der Ga­ran­tie Ma­te­rial- oder Ver­arbei­tungs­feh­ler, die von Nis­san zu ver­tre­ten sind, durch In­stand­set­zung oder Aus­tausch feh­ler­haf­ter Teile be­sei­tigt. Zif­fer 5 der Ga­ran­tie­be­din­gun­gen ent­hält 6 Vo­raus­set­zun­gen, die sämt­lich er­füllt sein müs­sen, um eine Leis­tungs­pflicht der Be­klag­te aus­zu­lö­sen. Zif­fer 9 der Be­din­gun­gen lau­tet: „Wei­ter­ge­hen­de An­sprü­che, ins­be­son­de­re auf Rück­tritt vom Kauf­ver­trag, Min­de­rung oder Scha­dens­er­satz (auch bei Fol­ge­schä­den) ste­hen dem Käu­fer aus die­ser Ga­ran­tie gegen NIS­SAN nicht zu. Die ge­setz­li­chen Rech­te des Käu­fers gegen den Ver­käu­fer bei Vor­lie­gen von Sach­män­geln blei­ben un­be­rührt.“ Wegen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten, ins­be­son­de­re der Vo­raus­set­zun­gen nach Zif­fer 5 wird auf das Ga­ran­tie­zer­ti­fi­kat nebst Ga­ran­tie­be­din­gun­gen, An­la­ge K2 (Bl. 14 ff d. GA.) ver­wie­sen. Am 29.01.2010 rief der Klä­ger den ADAC. Der ADAC konn­te ver­schie­de­ne Feh­ler­codes aus­lesen. Wegen der Ein­zel­hei­ten wird auf den Pan­nen­be­leg des ADAC, An­la­ge K 3, (Bl. 16 d. GA.) Bezug ge­nom­men. Im An­schluss an die Feh­ler­aus­le­sung und die Zu­rück­set­zung durch den ADAC setz­te der Klä­ger seine Fahrt mit dem PKW, wel­cher wie­der nor­mal zu fah­ren war, fort. Am 08.02.2009 und am 09.02.2009 such­te der Klä­ger eine Ver­trags­werk­statt der Be­klag­ten, die Auto T GmbH, auf. Am 08.12.2010 und am 13.12.2010 rief der Klä­ger er­neut den ADAC. Wegen der Ein­zel­hei­ten wird auf die Pan­nen­be­le­ge des ADAC, An­la­ge K 7 und K 8 (Bl. 21, 22 d. GA.) ver­wie­sen. Wegen an­geb­li­cher Feh­ler macht der Klä­ger nun­mehr Ga­ran­tie­an­sprü­che gegen die Be­klag­te gel­tend. Mit Schrei­ben vom 14.04.2011, wegen des­sen In­halt auf die An­la­ge K 9 (Bl. 23 d. GA.) ver­wie­sen wird, setz­te er sich erst­mals mit der Be­klag­ten in Ver­bin­dung. Die Be­klag­te ant­wor­te­te hie­rauf, die könne den An­spruch ak­tu­ell nicht nach­voll­zie­hen. Wegen der Ein­zel­hei­ten wird auf das Ant­wort­schrei­ben der Be­klag­ten, An­la­ge K 10 (Bl. 24 d. GA.) Bezug ge­nom­men. Unter dem 17.08.2011 be­auf­trag­te der Klä­ger seine Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten, wel­che dem Klä­ger für die au­ßer­ge­richt­li­che Tä­tig­keit 1.085,04 € in Rech­nung stell­ten. Der Klä­ger be­haup­tet, am 29.01.2010 sei es zu einem Ge­trie­be­feh­ler an dem Fahr­zeug ge­kom­men, wel­cher dazu ge­führt habe, dass das Fahr­zeug nur noch 25 km/h ge­fah­ren und das ESP aus­ge­fal­len sei. Auch sei der Not­be­triebs­mo­dus aus­ge­löst wor­den. Die­ser Vor­fall sei der Grund für den Be­such in der Auto T GmbH am 08.02.2009 und am 09.02.2009 ge­we­sen. Ein frü­he­res Auf­su­chen der Werk­statt sei ihm zeit­lich nicht mög­lich ge­we­sen. Dort sei ihm mit­ge­teilt wor­den, dass es sich le­dig­lich um einen spo­ra­di­schen De­fekt han­deln würde. Am 08.12.2010 sowie am 13.12.2010 sei es zu wei­te­ren Feh­lern an dem Fahr­zeug ge­kom­men. Es habe sich die Weg­fahr­sper­re aus­ge­löst und es sei an­ge­zeigt wor­den, dass der Lenk­win­kel­sen­sor de­fekt sei. Eine Werk­statt such­te der Klä­ger – in­so­weit un­strei­tig - des­halb nicht auf. Sämt­li­che be­haup­te­ten De­fek­te seien – so be­haup­tet der Klä­ger - kei­nem be­stimm­ten Teil des Fahr­zeu­ges zu­zu­ord­nen, so dass sich nach An­sicht des Klä­gers aus der Ga­ran­tie ein An­spruch auf Rück­ab­wick­lung des Kauf­ver­tra­ges, jeden­falls ein Scha­dens­er­satz­an­spruch, er­ge­be. Der Klä­ger be­an­tragt, 1. die Be­klag­te Zug um Zug gegen Rück­nah­me des Kraft­fahr­zeugs Nis­san Path­fin­der mit dem amt­li­chen Kenn­zei­chen ##### und der Fahr­zeug­iden­ti­fi­ka­tions­num­mer ####2 zu ver­urtei­len, an den Klä­ger 24.000,00 € nebst 8 % Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechts­hän­gig­keit zu zah­len; 2. fest­zu­stel­len, dass sich die Be­klag­te im An­nah­me­ver­zug be­fin­det; 3. die Be­klag­te zu ver­urtei­len, dem Klä­ger vor­ge­richt­li­che Mahn­kos­ten als Neben­for­de­rung in Höhe von 1.085,04 € nebst 8 % Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechts­hän­gig­keit als Scha­dens­er­satz zu zah­len. Die Be­klag­te be­an­tragt, die Klage ab­zu­wei­sen. Sie ist der An­sicht, für eine Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses Zug um Zug gegen die Rück­über­eig­nung des Fahr­zeu­ges fehle es an einer recht­li­chen Grund­la­ge, da die Ga­ran­tie nur den Aus­tausch de­fek­ter Fahr­zeug­tei­le vor­se­he. Sie be­strei­tet, dass ein unter die Neu­wa­gen­ga­ran­tie fal­len­der Feh­ler vor­lie­ge. Hier­zu be­haup­tet sie, die Hin­ter­le­gung von Feh­ler­codes im Steue­rungs­ge­rät, wie sie der ADC am 29.01.2010 aus­ge­lesen habe, lie­ßen kei­nen Rück­schluss auf einen tech­ni­schen De­fekt zu. Am 08.02.2010 sei in der Werk­statt der Auto T GmbH kein Feh­ler aus­ge­lesen wor­den. Aus die­sem Grunde sei der Feh­ler­code durch eine feh­ler­haf­te Be­die­nung des Fahr­zeu­ges auf­ge­zeich­net wor­den. Ein spo­ra­di­scher Feh­ler liege nicht vor. Zudem wird die Ein­hal­tung der Ga­ran­tie­be­din­gun­gen be­strit­ten. Die Klage ist der Be­klag­ten am 28.09.2011 zu­ge­stellt wor­den. Wegen aller wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf die ge­wech­sel­ten Schrift­sät­ze nebst An­la­gen, die Gegen­stand der münd­li­chen Ver­hand­lung ge­we­sen sind, er­gän­zend Bezug ge­nom­men. E N T S CH E I D U N G S G R Ü N D E Die zu­läs­si­ge Klage ist un­be­grün­det. I. Dem Klä­ger steht gegen die Be­klag­te kein An­spruch auf Zah­lung von 24.000,00 € Zug um Zug gegen Rück­über­eig­nung des Fahr­zeu­ges zu. 1. Ein sol­cher An­spruch folgt nicht aus der von der Be­klag­ten ge­währ­ten Her­stel­ler­ga­ran­tie (§ 443 BGB i.V.m. dem der er­teil­ten Ga­ran­tie). Dabei kann of­fen­blei­ben, ob der Klä­ger sämt­li­che Ga­ran­tie­be­din­gun­gen gem. Zif­fer 5 der Ga­ran­tie­be­din­gun­gen er­füllt hat. Auch kann of­fen­blei­ben, ob über­haupt ein von der Be­kla­gen zu ver­tre­te­ner Ma­te­rial- und /oder Ver­arbei­tungs­feh­ler an den Fahr­zeug vor­liegt. Je­den­falls ist das Be­geh­ren des Klä­gers (Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses gegen Rück­über­tra­gung des Fahr­zeu­ges) sei es in Form eines Scha­dens­er­sat­zes oder als Folge eines Rück­tritts nicht von der er­teil­ten Ga­ran­tie ge­deckt. Eine Neu­wa­gen­ga­ran­tie, wie sie hier von der Be­klag­ten ge­währt wurde , gibt dem Be­rech­tig­ten grund­sätz­lich kei­nen An­spruch auf Scha­dens­er­satz, son­dern im All­ge­mei­nen nur einen An­spruch auf kos­ten­lo­se Be­sei­ti­gung des Man­gels mit­unter auch nur einen Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch (Rein­king/Eg­gert, Der Auto­kauf, 11. Auf­la­ge, Rn. 1568 m.w.N.). Aus­weis­lich Zif­fer 4 der Ga­ran­tie­be­din­gun­gen der Be­klag­ten ga­ran­tiert diese nur eine In­stand­set­zung oder ein Aus­tausch feh­ler­haf­ter Teile. Dies ver­langt der Klä­ger aber ge­ra­de nicht. Gem. Zif­fer 9 der Ga­ran­tie­be­din­gun­gen um­fasst die Ga­ran­tie ge­ra­de nicht wei­ter­ge­hen­de An­sprü­che ins­be­son­de­re aus Rück­tritt oder Scha­dens­er­satz. Ein An­spruch auf Scha­dens­er­satz er­gibt sich auch dann nicht, wenn, wie der Klä­ger es be­haup­tet, eine Män­gel­be­sei­ti­gung un­mög­lich ist. Wenn dies im kauf­recht­li­chen Ver­hält­nis mög­li­cher­wei­se auch einen ent­spre­chen­den An­spruch be­grün­den würde, so gilt dies je­doch nicht in einem Ga­ran­tie­ver­trag. Denn der An­spruch aus der Ga­ran­tie­erklä­rung des Her­stel­lers ist kein Recht des Käu­fers wegen Man­gel­haf­tig­keit des Fahr­zeu­ges, wie sie in § 437 BGB nie­der­ge­legt sind, son­dern ein un­ab­hän­gi­ger Er­fül­lungs­an­spruch aus der Ga­ran­tie, mit der Folge, dass der Ga­ran­tie­neh­mer auch dann nicht auf die se­kun­dä­ren Män­gel­rech­te nach § 437 Nr. 2 und Nr. 3 BGB zu­rück­grei­fen kann, wenn die Ga­ran­tie­leis­tung, sei es wegen Un­mög­lich­keit, sei es wegen Ver­wei­ge­rung der Ga­ran­tie, aus­bleibt (Rein­king/ Eg­gert, aaO, Rn. 1569 m.w.N.). Eine Aus­nah­me von die­sem Grund­satz ist auch nicht unter Be­rück­sich­ti­gung der Aus­füh­run­gen im Be­schluss des OLG Frank­furt v. 08.07.2009, Az.: 4 U 85/08, wel­ches einen Scha­dens­er­satz­an­spruch bei ernst­haf­ter und end­gül­ti­ger Ver­wei­ge­rung der Ga­ran­tie­leis­tung an­nimmt, ge­recht­fer­tigt. Der hie­si­ge Fall ist mit dem dor­ti­gen Fall nicht ver­gleich­bar. Eine ernst­haf­te und end­gül­ti­ge Ver­wei­ge­rung der Ga­ran­tie­leis­tung ist schon nicht hin­rei­chend dar­ge­legt. So­fern die Be­klag­te auf das Schrei­ben vom 14.04.2011, wel­ches einen kon­kre­ten Man­gel nicht be­zeich­ne­te, ant­wor­te, sie könne „ak­tu­ell“ einen An­spruch nicht nach­voll­zie­hen, kann darin eine end­gül­ti­ge Ver­wei­ge­rung nicht ge­se­hen wer­den, denn schon die For­mu­lie­rung „ak­tu­ell“ zeigt, dass bei wei­te­rer Er­läu­te­run­gen even­tu­ell eine Be­reit­schaft be­stehen würde. Zudem wurde hier ab­wei­chend zu dem vom OLG Frank­furt ent­schie­de­nen Fall die Leis­tung von Scha­dens­er­satz in den Ga­ran­tie­be­din­gun­gen aus­drück­lich aus­ge­schlos­sen. Auch aus dem vom Klä­ger zi­tier­ten Urteil des OLG Braun­schweigs vom 17.07.2008, Az.: 1 U 52/06 er­gibt sich keine an­de­re Wer­tung, denn die­ses be­trifft einen Fall, in dem es um die kauf­ver­trag­li­che Ge­währ­leis­tung geht und nicht wie hier um eine Her­stel­ler­ga­ran­tie. 2.. Ein sol­cher An­spruch folgt auch nicht aus §§ 433, 434, 437 Nr. 2 bzw. Nr. 3 BGB. Auch an die­ser Stel­le kann of­fen­blei­ben, ob das Fahr­zeug über­haupt man­gel­haft ist. Je­den­falls setzt die kauf­ver­trag­li­che Ge­währ­leis­tung einen Kauf­ver­trag zwi­schen den Par­tei­en vo­raus. An einem sol­chen fehlt es vor­lie­gend, denn den Kauf­ver­trag hat der Klä­ger mit der Auto T GmbH und nicht mit der Be­klag­ten ge­schlos­sen. 3. An­de­re An­spruchs­grund­la­gen sind nicht er­sicht­lich. II. Ein An­nah­me­ver­zug kann nicht fest­ge­stellt wer­den, da für die Be­klag­te aus den obi­gen Grün­den keine Ver­pflich­tung be­steht, das Fahr­zeug zu­rück­zu­neh­men. III.. Man­gels Haupt­an­spruch schei­det auch ein An­spruch auf Er­stat­tung au­ßer­ge­richt­li­cher Rechts­an­walts­kos­ten und auf Zin­sen aus. IV. Die pro­zes­sua­len Neben­ent­schei­dun­gen be­ru­hen auf §§ 91, 709 ZPO. Streit­wert: 24.000,00 €