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Beschluss

L 27 R 425/12 B PKH

Landessozialgericht Berlin-Brandenburg 13. Senat, Entscheidung vom

ECLI:DE:LSGBEBB:2013:0424.L27R425.12BPKH.0A
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Leitsätze
1. Der unbestimmte Rechtsbegriff der hinreichenden Erfolgsaussicht bei der Bewilligung von Prozesskostenhilfe gebietet eine Angleichung der Situation von Bemittelten und Unbemittelten bei der Verwirklichung des Rechtsschutzes. Schwierige, bislang nicht geklärte Rechts- und Tatfragen dürfen im PKH-Verfahren nicht entschieden werden, sondern müssen über die Gewährung von PKH auch von Unbemittelten einer prozessualen Klärung im Hauptsacheverfahren zugeführt werden können. Danach ist eine hinreichende Erfolgsaussicht bereits dann gegeben, wenn das Gericht den klägerischen Standpunkt aufgrund eines geklärten Sachverhalts für zumindest vertretbar und klärungsbedürftig hält, vgl. BVerfG, Beschluss vom 14. Juli 1993 - 1 BvR 1523/92.(Rn.2) 2. Ist zum Zeitpunkt der Entscheidungsreife des PKH-Antrags der Sachverhalt nicht umfassend geklärt und bedarf es hierzu weiterer Ermittlungen, so ist bei Vorliegen der weiter erforderlichen gerichtlichen Voraussetzungen PKH zu bewilligen.(Rn.3)
Tenor
Auf die Beschwerde des Klägers wird der Beschluss des Sozialgerichts Cottbus vom 4. April 2012 aufgehoben. Dem Kläger wird für das Klageverfahren erster Instanz mit Wirkung vom 3. September 2012 Prozesskostenhilfe unter Beiordnung des gewährt. Monatsraten oder Beträge aus dem Vermögen sind nicht zu leisten. Kosten des Beschwerdeverfahrens sind nicht zu erstatten.
Entscheidungsgründe
Leitsatz: 1. Der unbestimmte Rechtsbegriff der hinreichenden Erfolgsaussicht bei der Bewilligung von Prozesskostenhilfe gebietet eine Angleichung der Situation von Bemittelten und Unbemittelten bei der Verwirklichung des Rechtsschutzes. Schwierige, bislang nicht geklärte Rechts- und Tatfragen dürfen im PKH-Verfahren nicht entschieden werden, sondern müssen über die Gewährung von PKH auch von Unbemittelten einer prozessualen Klärung im Hauptsacheverfahren zugeführt werden können. Danach ist eine hinreichende Erfolgsaussicht bereits dann gegeben, wenn das Gericht den klägerischen Standpunkt aufgrund eines geklärten Sachverhalts für zumindest vertretbar und klärungsbedürftig hält, vgl. BVerfG, Beschluss vom 14. Juli 1993 - 1 BvR 1523/92.(Rn.2) 2. Ist zum Zeitpunkt der Entscheidungsreife des PKH-Antrags der Sachverhalt nicht umfassend geklärt und bedarf es hierzu weiterer Ermittlungen, so ist bei Vorliegen der weiter erforderlichen gerichtlichen Voraussetzungen PKH zu bewilligen.(Rn.3) Auf die Beschwerde des Klägers wird der Beschluss des Sozialgerichts Cottbus vom 4. April 2012 aufgehoben. Dem Kläger wird für das Klageverfahren erster Instanz mit Wirkung vom 3. September 2012 Prozesskostenhilfe unter Beiordnung des gewährt. Monatsraten oder Beträge aus dem Vermögen sind nicht zu leisten. Kosten des Beschwerdeverfahrens sind nicht zu erstatten. Die Beschwerde des Klägers ist statthaft (§ 172 Sozialgerichtsgesetz - SGG -) und auch im Übrigen zulässig. Sie ist auch begründet, denn das Sozialgericht hat zu Unrecht gemäß §§ 73 a SGG, 114 Zivilprozessordnung (ZPO) die hinreichende Erfolgsaussicht des Prozesskostenhilfegesuchs des Klägers verneint. Der unbestimmte Rechtsbegriff der hinreichenden Erfolgsaussicht ist nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts verfassungskonform auszulegen. Art. 3 Abs. 1 Grundgesetz (GG) gebietet in Verbindung mit dem u. a. in Art. 20 Abs. 3 GG zum Ausdruck gebrachten Rechtsstaatsprinzip und dem aus Art. 19 Abs. 4 Satz 1 GG folgenden Gebot effektiven Rechtsschutzes eine weitergehende Angleichung der Situation von Bemittelten und Unbemittelten bei der Verwirklichung des Rechtsschutzes. Hierbei braucht der Unbemittelte allerdings nur einem solchen Bemittelten gleichgestellt zu werden, der seine Prozessaussichten vernünftig abwägt und dabei auch das Kostenrisiko berücksichtigt. Dementsprechend darf die Prüfung der Erfolgsaussichten jedenfalls nicht dazu führen, über die Vorverlagerung der Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung in das Nebenverfahren der Prozesskostenhilfe eben dieses Nebenverfahren an die Stelle des Hauptsacheverfahrens treten zu lassen (vgl. Bundesverfassungsgericht, Kammerbeschluss vom 28. November 2007, 1 BvR 68/07). Deshalb dürfen insbesondere schwierige, bislang nicht geklärte Rechts- und Tatfragen im Prozesskostenhilfeverfahren nicht entschieden werden, sondern müssen über die Gewährung von Prozesskostenhilfe auch von Unbemittelten einer prozessualen Klärung im Hauptsacheverfahren zugeführt werden können (Bundesverfassungsgericht, a.a.O., und Kammerbeschluss vom 4. Juli 1993, 1 BvR 1523/92). Demnach ist ausgehend von dem für das Hauptsacheverfahren zugrunde zu legenden Sachantrag eine hinreichende Erfolgsaussicht bereits dann gegeben, wenn das Gericht den klägerischen Rechtsstandpunkt aufgrund eines geklärten Sachverhalts für zutreffend oder für zumindest vertretbar und klärungsbedürftig hält. Nach diesen Maßstäben war zum hier maßgeblichen Entscheidungszeitpunkt der erstmaligen Entscheidungsreife des Prozesskostenhilfeantrags am 3. September 2012 (vollständige Einreichung der Unterlagen zu der Erklärung über die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse) die hinreichende Erfolgsaussicht nicht zu verneinen, da der Sachverhalt nicht umfassend aufgeklärt gewesen ist. Es bedarf weiterer Ermittlungen, ob die von dem Sachverständigen Prof. Dr. S ermittelten qualitativen Leistungseinschränkungen eine Summierung ungewöhnlicher Leistungseinschränkungen bilden. Die Kostenentscheidung beruht auf § 127 Abs. 4 ZPO. Dieser Beschluss kann gemäß § 177 SGG nicht mit der Beschwerde an das Bundessozialgericht angefochten werden.