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Beschluss

1 Ws 6/13

Hanseatisches Oberlandesgericht Hamburg 1. Strafsenat, Entscheidung vom

ECLI:DE:OLGHH:2013:0415.1WS6.13.0A
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Leitsätze
Die gerichtliche Bestellung zum Pflichtverteidiger umfasst nicht die Vertretung des Angeklagten im Adhäsionsverfahren (Aufgabe der bisherigen Senatsrechtsprechung, OLG Hamburg, 29. Juli 2005, 1 Ws 92/05, NStZ-RR 347, 349; Anschluss an h.M., u.a. OLG Hamburg, 14. Juni 2010, 3 Ws 73/10, BeckRS 2010, 15747 - beck-online und OLG Hamburg, 17. Juni 2010, 2 Ws 237/09, OLGSt StPO § 141 Nr 8).(Rn.3)
Tenor
Die Beschwerde des Rechtsanwalts gegen den Beschluss des Landgerichts Hamburg, Große Strafkammer , vom 16. November 2012 wird verworfen.
Entscheidungsgründe
Leitsatz: Die gerichtliche Bestellung zum Pflichtverteidiger umfasst nicht die Vertretung des Angeklagten im Adhäsionsverfahren (Aufgabe der bisherigen Senatsrechtsprechung, OLG Hamburg, 29. Juli 2005, 1 Ws 92/05, NStZ-RR 347, 349; Anschluss an h.M., u.a. OLG Hamburg, 14. Juni 2010, 3 Ws 73/10, BeckRS 2010, 15747 - beck-online und OLG Hamburg, 17. Juni 2010, 2 Ws 237/09, OLGSt StPO § 141 Nr 8).(Rn.3) Die Beschwerde des Rechtsanwalts gegen den Beschluss des Landgerichts Hamburg, Große Strafkammer , vom 16. November 2012 wird verworfen. I. Über die gemäß § 56 Abs. 2 S. 1 i.V.m. § 33 Abs. 3 S. 1 RVG zulässige und innerhalb der durch § 56 Abs. 2 S. 1 i.V.m. § 33 Abs. 3 S. 3 RVG bestimmten zweiwöchigen Frist eingelegte Beschwerde gegen den durch Einzelrichter gefassten Beschluss der Großen Strafkammer vom 16. November 2012 entscheidet der Senat in Dreierbesetzung, nachdem der an sich gemäß § 56 Abs. 2 S. 1 i.V.m. § 33 Abs. 8 S. 1 Halbs. 2 RVG zur Entscheidung berufene Einzelrichter die Sache gemäß § 56 Abs. 2 S. 1 i.V.m. § 33 Abs. 8 S. 2 RVG wegen grundsätzlicher Bedeutung dem Gesamtsenat übertragen hat. II. Die Beschwerde ist unbegründet. Das Landgericht hat zu Recht und mit zutreffender Begründung die Erinnerung des Beschwerdeführers gegen den Beschluss des Rechtspflegers vom 6. August 2012 verworfen. Dem im Verfahren als Pflichtverteidiger beigeordneten Beschwerdeführer steht für seine auf das Adhäsionsverfahren bezogene Tätigkeit keine Vergütung zu, weil er nicht auch für das Adhäsionsverfahren beigeordnet wurde. Denn die Bestellung zum Pflichtverteidiger umfasst nicht auch die Tätigkeit zur Abwehr eines gegen den verteidigten Angeklagten gerichteten Adhäsionsantrages. In dieser in Rechtsprechung und Literatur allerdings umstrittenen Frage stimmt der Senat mit der inzwischen unter den Oberlandesgerichten vorherrschenden und überzeugend begründeten Ansicht überein (vgl. OLG Karlsruhe StraFo 2013, 84-85; OLG Hamm [3. Strafsenat] StraFo 2013, 85-86; OLG Düsseldorf, B. v. 11.4.2012 - III-1 Ws 84/12 - aus juris; KG, B. v. 24.6.2010 - 1 Ws 22/09 - aus juris; OLG Hamburg [2. Strafsenat] OLGSt StPO § 141 Nr 8; OLG Hamburg [3. Strafsenat], B. v. 14.6.2010 - 3 Ws 73/10 - BeckRS 2010, 15747 - beck-online; OLG Oldenburg StraFo 2010, 306-307; OLG Stuttgart, B. v. 6.4.2009 - 1 Ws 38/09 - aus juris; OLG Bamberg OLGSt StPO § 140 Nr 25; OLG Brandenburg, B. v. 30.9.2008 - 1 Ws 142/08 - aus juris; OLG Jena, B. v. 14.4.2008 - 1 Ws 51/08 - aus juris; OLG CelleNStZ-RR 2008, 190-192; OLG Zweibrücken, B. v. 11.9.2006 - 1 Ws 347/06 - aus juris; OLG München StV 2004, 38; a.A. OLG Rostock, B. v. 15.6.2011 - 1 Ws 166/11 - aus juris; OLG Dresden, B. v. 13.6.2007 - 1 Ws 155/06 - aus juris; OLG Köln StraFo 2005, 394-395; OLG Hamm [2. Strafsenat], B. v. 31.5.2001 - 2 (s) Sbd 6 - 87/01 - aus juris; OLG Schleswig NStZ 1998, 101-102). Der Senat hält ausdrücklich nicht mehr an der von ihm in anderem Zusammenhang geäußerten - seinerzeit zur Begründung der Ungeeignetheit eines Adhäsionsantrages zur Erledigung im Strafverfahren (§ 406 Abs. 1 S. 4 StPO) mit herangezogenen - gegenteiligen Ansicht (B. v. 29.7.2005 - NStZ-RR 2006, 347, 349) fest. III. Diese Entscheidung ergeht gebührenfrei; eine Kostenerstattung erfolgt nicht (§ 56 Abs. 2 S. 2 und 3 RVG).