Beschluss
9 L 1506/14.A
Verwaltungsgericht Düsseldorf, Entscheidung vom
VerwaltungsgerichtsbarkeitECLI:DE:VGD:2014:0908.9L1506.14A.00
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Entscheidungsgründe
Tenor Der Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe wird abgelehnt. Der Antrag im einstweiligen Rechtsschutz wird abgelehnt. Der Antragsteller trägt die Kosten des Verfahrens, für das Gerichtskosten nicht erhoben werden. 1 Gründe: 2 Der Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe wird abgelehnt, da der Antrag auf Gewährung einstweiligen Rechtsschutzes aus den nachfolgenden Gründen nicht die nach §§ 166 VwGO, 114 ZPO erforderliche hinreichende Aussicht auf Erfolg bietet. 3 Der Antrag im einstweiligen Rechtsschutz, 4 die aufschiebende Wirkung der Klage 9 K 4305/14.A gegen die Abschiebungsanordnung in dem Bescheid des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge vom 13.06.2014 anzuordnen , 5 ist gemäß § 34a Abs. 2 AsylVfG in der Fassung des Gesetzes zur Umsetzung der Richtlinie 2011/95/EU vom 28. 08.2013 zulässig; jedoch ist er nicht begründet. 6 Die Abschiebungsanordnung ist offensichtlich rechtmäßig. Sie findet ihre rechtliche Grundlage in § 34a Abs. 1 Satz 1 AsylVfG. Danach ordnet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bundesamt), wenn der Ausländer in einen sicheren Drittstaat (§ 26a) oder in einen für die Durchführung des Asylverfahrens zuständigen Staat (§ 27a) abgeschoben werden soll, die Abschiebung in diesen Staat an, sobald feststeht, dass sie durchgeführt werden kann. 7 Hier ist gemäß § 27a AsylVfG i.V.m. § 34a AsylVfG aufgrund von Rechtsvorschriften der Europäischen Union Ungarn für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig und damit ein anderer Staat als die Bundesrepublik, so dass der Asylantrag vom 19.02.2014 unzulässig ist. 8 Ungarns Zuständigkeit ergibt sich aus Art. 3 Abs. 1, 2 Satz 1 i.V.m. Art. 7 ff. VO Nr. 604/2013/EU („Dublin III-VO“). Diese Verordnung findet gemäß deren Art. 49 Anwendung, weil der Antragsteller in der Bundesrepublik Deutschland nach dem 01.01.2014 Asyl beantragt hat. Ungarn ist für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig (vgl. Art. 18 Abs. 1 Buchst. b Dublin III-VO), weil der Antragsteller dort vor seiner Einreise in die Bundesrepublik am 12.02.2014 bereits einen Asylantrag gestellt hatte. Am 14.04.2014 hat das Bundesamt das Übernahmegesuch an Ungarn gerichtet. Die ungarischen Behörden erklärten mit Schreiben vom 25.04.2014 ihre Zuständigkeit für die Bearbeitung des Asylantrages gem. Art. 18 Abs. 1 b Dublin III-VO. 9 Die Abschiebungsanordnung ist rechtmäßig, denn die Abschiebung des Antragstellers nach Ungarn ist weder rechtlich unzulässig noch tatsächlich unmöglich. Es ergeben sich insbesondere keine zielstaatsbezogenen Abschiebungshindernisse. Die Antragsgegnerin ist nicht verpflichtet, von ihrem Selbsteintrittsrecht gem. Art. 17 Abs. 1 Dublin III-VO Gebrauch zu machen. Eine solche Verpflichtung bestünde nach dem Wortlaut der Vorschrift nur, wenn es wesentliche Gründe für die Annahme gäbe, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für Antragsteller in diesem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwiesen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grundrechtecharta mit sich brächten. 10 Dafür gibt es keine hinreichenden Anhaltspunkte. Ungarn ist ein sicherer Drittstaat im Sinne des Art. 16a Abs. 2 GG. Nach der aktuellen Erkenntnislage ist nicht anzunehmen, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen in Ungarn systemische Mängel aufweisen. Soweit Mängel insbesondere bei der Behandlung so genannter Dublin-Rückkehrer bestanden, wurden diesen durch umfangreiche Gesetzesänderungen im November 2012 hinreichend abgeholfen. Auch hinsichtlich der neuen Regelungen zum 1. Juli 2013 ist nicht ersichtlich, dass diese zu systemischen Mängel führen. Im Allgemeinen werden die Mindeststandards bei der Behandlung von Asylbewerbern in Ungarn (wieder) eingehalten. 11 Vgl. VG Stade, Beschluss vom 14.07.2014 – 1 B 862/14 -; VG Oldenburg, Beschluss vom 20.02.2014 - 3 B 145/14 -; VG Würzburg, Beschluss vom 5.2.2014 – W 3 S 14.30062 -; VG München, Beschluss vom. 27.01.2014 – M 4 S 14.30066 -; alle juris. 12 Der UNHCR hat bereits im April 2012 die Schritte Ungarns zur Verbesserung der Situation der Asylsuchenden begrüßt und im Dezember 2012 umfangreiche gesetzliche Änderungen in dieser Hinsicht attestiert. 13 Vgl. UNHCR, Bericht zur Situation für Asylsuchende und Flüchtlinge in Ungarn, April 2012. 14 Auch der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat in seiner Entscheidung vom 10.12.2013 (C-394/12 – juris) entschieden, dass es keine Anhaltspunkte dafür gibt, dass in Ungarn systemische Mängel des Asylverfahrens und der Aufnahmebedingungen für Asylbewerber vorliegen, die ernsthafte und durch Tatsachen bestätigte Gründe für die Annahme darstellen, dass Asylbewerber tatsächlich Gefahr laufen, einer unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung im Sinne von Art. 4 Charta der Grundrechte der Europäischen Union ausgesetzt zu werden. 15 Inlandsbezogene Abschiebungshindernisse, die die Antragsgegnerin im Verfahren nach § 34a AsylVfG selbst zu berücksichtigen hat, sind nicht ersichtlich. Zwar trägt der Antragsteller vor, er leide an Hepatitis C und müsse behandelt werden. Das vorgelegte Attest beschreibt zwar die Erkrankung und stellt fest, dass eine mehrmonatige und kostenaufwändige Behandlung erforderlich sei, ohne jedoch zu deren Art und Umfang nähere Angaben zu machen. Eine Reiseunfähigkeit, die der Abschiebung entgegenstünde, ist weder konkret vorgetragen noch ärztlich bescheinigt. 16 Die Kostenentscheidung beruht auf §§ 154 Abs. 1 VwGO; 83b AsylVfG. 17 Dieser Beschluss ist unanfechtbar (§ 80 AsylVfG).