Entscheidung
XI ZR 381/19
Bundesgerichtshof, Entscheidung vom
ZivilrechtBundesgerichtECLI:DE:BGH:2020:090620BXIZR381
18mal zitiert
9Zitate
3Normen
Zitationsnetzwerk
27 Entscheidungen · 3 Normen
VolltextNur Zitat
Entscheidungsgründe
ECLI:DE:BGH:2020:090620BXIZR381.19.0 BUNDESGERICHTSHOF BESCHLUSS XI ZR 381/19 vom 9. Juni 2020 in dem Rechtsstreit - 2 - Der XI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 9. Juni 2020 durch den Vizepräsidenten Prof. Dr. Ellenberger, die Richter Dr. Joeres, Dr. Grüneberg und Dr. Matthias sowie die Richterin Dr. Menges beschlossen: Die Nichtzulassungsbeschwerde der Klägerin gegen den Be- schluss des 1. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Rostock vom 27. Juni 2019 wird zurückgewiesen, weil die Rechtssache keine grundsätzliche Bedeutung hat und die Fortbildung des Rechts so- wie die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Ent- scheidung des Revisionsgerichts nicht erfordern (§ 543 Abs. 2 Satz 1 ZPO). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ist der Verweis in der Widerrufsinformation auf § 492 Abs. 2 BGB in Kombination mit der beispielhaften Aufzählung von Pflichtangaben nach den Maßstäben des nationalen Rechts klar und verständlich (Senats- urteile vom 22. November 2016 - XI ZR 434/15, BGHZ 213, 52 Rn. 18 ff. und vom 4. Juli 2017 - XI ZR 741/16, WM 2017, 1602 Rn. 19 ff., Senatsbeschluss vom 19. März 2019 - XI ZR 44/18, WM 2019, 864 Rn. 15 f.). Der Gerichtshof der Europäischen Union (nachfolgend: EuGH) hat mit Urteil vom 26. März 2020 (C-66/19, juris - Kreissparkasse Saarlouis) entschieden, dass Art. 10 Abs. 2 Buchst. p der Richtli- nie 2008/48/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. April 2008 über Verbraucherkreditverträge und zur Aufhebung der Richtlinie 87/102/EWG des Rates (ABl. 2008, L 133, S. 66, be- - 3 - richtigt in ABl. 2009, L 207, S. 14, ABl. 2010, L 199, S. 40 und ABl. 2011, L 234, S. 46 - nachfolgend: Verbraucherkreditrichtlinie) dahin auszulegen ist, dass er dem entgegensteht, dass ein Kredit- vertrag hinsichtlich der in Art. 10 dieser Richtlinie genannten An- gaben auf eine nationale Vorschrift verweist, die selbst auf weitere Rechtsvorschriften des betreffenden Mitgliedstaates verweist. Diese Entscheidung ist für den vorliegenden Fall nicht einschlägig, da es hier um einen grundpfandrechtlich besicherten Darlehens- vertrag geht, auf den die Verbraucherkreditrichtlinie nach ihrem Art. 2 Abs. 2 Buchst. a und c keine Anwendung findet (Senatsbe- schluss vom 19. März 2019 - XI ZR 44/18, WM 2019, 864 Rn. 17; EuGH, Urteil vom 26. März 2020 - C-66/19, WM 2020, 688 Rn. 25 - Kreissparkasse Saarlouis). Wie nationale Vorschriften auszule- gen sind, die nicht in den Anwendungsbereich des Unionsrechts fallen, und ob ihre Auslegung durch das vorlegende Gericht richtig ist, fällt in die ausschließliche Zuständigkeit der nationalen Gerich- te (EuGH, Urteil vom 26. März 2020 - C-66/19, aaO Rn. 31 - Kreissparkasse Saarlouis). Entgegen der Ansicht des vorlegen- den Landgerichts Saarbrücken (WM 2019, 1444 Rn. 8; vgl. auch EuGH, Urteil vom 26. März 2020 - C-66/19, aaO Rn. 18 - Kreis- sparkasse Saarlouis) hat der deutsche Gesetzgeber die Verbrau- cherkreditrichtlinie nicht für Immobiliardarlehen als maßgeblich er- achtet. Die Bundesrepublik Deutschland hat in ihrer Stellungnah- me zur Vorlage durch das Landgericht Saarbrücken die Zustän- digkeit des EuGH gerügt, weil der deutsche Gesetzgeber trotz der ihm vom Unionsgesetzgeber eingeräumten Befugnis keine Ent- scheidung getroffen hat, die in der Richtlinie vorgesehene Rege- lung auf nicht in ihren Geltungsbereich fallende Bereiche wie den - 4 - Bereich der grundpfandrechtlich gesicherten Verbraucherkredit- verträge anzuwenden (vgl. EuGH, Urteil vom 26. März 2020 - C-66/19, aaO Rn. 23 - Kreissparkasse Saarlouis). Das deutsche Recht hat auch schon vor der Verabschiedung der Verbraucher- kreditrichtlinie eine Regelung für solche Verträge vorgesehen. Da diese Regelung als richtlinienkompatibel angesehen worden ist, hat der deutsche Gesetzgeber es lediglich für sachgerecht gehal- ten, die Vorschriften für den Verbraucherkredit und für grund- pfandrechtlich gesicherte Darlehen zusammenzufassen (vgl. EuGH, Urteil vom 26. März 2020 - C-66/19, aaO Rn. 24 - Kreis- sparkasse Saarlouis). Nach alledem bleibt es für den vorliegenden Immobiliardarlehens- vertrag ausschließlich bei den oben genannten Grundsätzen des nationalen Rechts, nach denen die streitgegenständliche Wider- rufsinformation klar und verständlich ist (Senatsbeschlüsse vom 31. März 2020 - XI ZR 581/18, ZIP 2020, 868 f. und XI ZR 198/19, WM 2020, 838 Rn. 10 ff.). Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 544 Abs. 6 Satz 2 Halbs. 2 ZPO abgesehen. Die Klägerin trägt die Kosten des Beschwerdeverfahrens (§ 97 Abs. 1 ZPO). - 5 - Der Gegenstandswert des Beschwerdeverfahrens beträgt 70.759,85 €. Ellenberger Joeres Grüneberg Matthias Menges Vorinstanzen: LG Schwerin, Entscheidung vom 13.09.2018 - 3 O 163/16 - OLG Rostock, Entscheidung vom 27.06.2019 - 1 U 99/18 -