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Urteil

15 Sa 1649/04

Landesarbeitsgericht Hamm, Entscheidung vom

ArbeitsgerichtsbarkeitECLI:DE:LAGHAM:2004:1210.15SA1649.04.00
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Entscheidungsgründe
Tenor Parallelsache zu 15 Sa 958/04 Die Berufung der Beklagten gegen das Urteil des Arbeitsgerichts Iserlohn vom 10.08.2004 - 5 Ca 151/04 - wird auf ihre Kosten zurückgewiesen. 1 T a t b e s t a n d 2 Die Parteien streiten um die Zahlung eines anteiligen 13. Monatseinkommens für das Jahr 2003. 3 Die Beklagte führt ein Unternehmen, welches grundsätzlich dem fachlichen Geltungsbereich der Tarifverträge für die Eisen-, Metall-, Elektro- und Zentralheizungsindustrie unterfällt. Sie ist nicht Mitglied des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie NRW e.V.. Sie hat ihren Hauptsitz in A1xxxx und unterhält zudem einen Betrieb in W4xxxxxxxx. Die Klägerin ist Mitglied der IG Metall. Sowohl im Betrieb in W4xxxxxxxx als auch im Betrieb in A1xxxx ist jeweils ein Betriebsrat gewählt. 4 Die Klägerin war seit 1988 zunächst bei der Firma J1. G1xxx B1xxxxxx beschäftigt, die im Jahre 1994 in Konkurs ging. Im Anschluss daran wurde sie die Beklagte tätig und ist derzeit als gewerbliche Arbeitnehmerin im Betrieb A1xxxx beschäftigt. Ein schriftlicher Arbeitsvertrag besteht zwischen den Parteien nicht. 5 Bereits unter dem 15.08.1997 hatte die Beklagte mit der Industriegewerkschaft Metall, Bezirksleitung NRW, einen sogenannten Anerkennungstarifvertrag geschlossen, der unter anderem die Geltung des Tarifvertrages über die tarifliche Absicherung eines Teiles eines 13. Monatseinkommens in der Eisen-, Metall- und Elektroindustrie NRW vom 11.12.1996 in der jeweils gültigen Fassung im Unternehmen der Beklagten vorsah. Wegen der Einzelheiten des Anerkennungstarifvertrages nebst Anlage wird auf Bl. 40 ff. der Akte 15 Sa 982/04 – LAG Hamm – verwiesen. Zwischen den Parteien ist zweitinstanzlich unstreitig geworden, dass der Zeuge K3xxxxxxx bevollmächtigt war, im Namen der IG Metall Bezirksleitung NRW den Anerkennungstarifvertrag vom 15.08.1997 abzuschließen. 6 Die Beklagte zahlte der Klägerin jedenfalls in den Jahren 2000 bis 2002 jeweils mit der Ver-gütung für November Weihnachtsgeld. Wegen der von der Beklagten insoweit erteilten Ab-rechnungen wird auf Bl. 85 und 88 f. d.A. verwiesen. Im Jahre 2003 zahlte die Beklagte der Klägerin kein anteiliges 13. Monatseinkommen entsprechend den Regelungen des genann-ten Tarifvertrages. Nach erfolgloser außergerichtlicher Geltendmachung verfolgt die Klägerin den von ihr geltend gemachten Anspruch im vorliegenden Verfahren weiter. 7 Die Klägerin hat die Auffassung vertreten, die Beklagte sei verpflichtet, ihr ein anteiliges 13. Monatseinkommen zu zahlen. Dieser Anspruch ergebe sich aus dem Anerkennungstarifver-trag vom 15.08.1997 in Verbindung mit dem Tarifvertrag über die tarifliche Absicherung eines Teiles eines 13. Monatseinkommens in der Eisen-, Metall- und Elektroindustrie NRW. Der Anerkennungstarifvertrag sei erst zum Jahresende 2003 gekündigt worden. 8 Die Klägerin hat beantragt, 9 die Beklagte zu verurteilen, an sie 1.033,75 EUR brutto nebst 5 % Zinsen über dem Basiszinssatz nach § 247 BGB seit dem 03.12.2003 zu zahlen. 10 Die Beklagte hat beantragt, 11 die Klage abzuweisen. 12 Sie hat vorgetragen, ein Anspruch der Klägerin auf Zahlung eines anteiligen 13. Monatsein-kommens ergebe sich nicht aus einem schriftlichen Arbeitsvertrag der Parteien. Ein dahin-gehender Anspruch der Klägerin folge auch nicht aus dem genannten Anerkennungstarifver-trag. Im übrigen sei die IG Metall hinsichtlich des Abschlusses des Anerkennungstarifver-trages nicht tariffähig gewesen. Lediglich ca. 1/5 der Mitarbeiter in ihrem Unternehmen seien gewerkschaftlich bei der IG Metall organisiert gewesen, so dass die Durchsetzungsfähigkeit der IG Metall bestritten werde. 13 Durch Urteil vom 10.08.2004, das der Beklagten am 17.08.2004 zugestellt worden ist, hat das Arbeitsgericht die Beklagte antragsgemäß verurteilt. Wegen der Einzelheiten dieser Ent-scheidung wird auf Tatbestand und Entscheidungsgründe des arbeitsgerichtlichen Urteils verwiesen. Hiergegen richtet sich die Berufung der Beklagten, die am 30.08.2004 beim Landesarbeitsgericht eingegangen und am 12.10.2004 begründet worden ist. 14 Die Beklagte vertritt weiter die Auffassung, die Klägerin habe keinen Anspruch auf Zahlung eines anteiligen 13. Monatseinkommens für das Jahr 2003. Soweit die Klägerin sich auf den genannten Anerkennungstarifvertrag beziehe, werde die Durchsetzungsfähigkeit der IG Metall als Vertragspartner des genannten Anerkennungstarifvertrages weiter bestritten. 15 Die Beklagte beantragt, 16 unter Abänderung des Urteils des ArbG Iserlohn vom 10.08.2004 – 5 Ca 151/04 – die Klage abzuweisen. 17 Die Klägerin beantragt, 18 die Berufung der Beklagten zurückzuweisen. 19 Sie verteidigt das erstinstanzliche Urteil und trägt vor, die Beklagte sei zur Zahlung des 13. Monatseinkommens nach dem genannten Anerkennungstarifvertrag verpflichtet. Die Bezirksleitung Nordrhein-Westfalen der IG Metall sei satzungsgemäß zum Abschluss des entsprechenden Tarifvertrages berechtigt gewesen. Sie sei durch den 1. Bevollmächtigten der IG Metall – Verwaltungsstelle W5xxxxx-I2xxxxxx –, den Zeugen D2xxxx K3xxxxxxx vertreten worden. 20 Die Gegenmächtigkeit der IG Metall auch im Unternehmen der Beklagten könne nicht ernsthaft bestritten werden. Der Organisationsgrad im Betrieb W4xxxxxxxx liege bei über 90 %, im Betrieb A1xxxx bei ca. 50 %. 21 Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird auf den vorgetragenen Inhalt der gewechselten Schriftsätze nebst Anlagen Bezug genommen. 22 E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e 23 I. 24 Die Berufung ist an sich statthaft sowie form- und fristgerecht eingelegt und begründet worden. 25 II. 26 Der Sache nach bleibt die Berufung erfolglos. Denn das Arbeitsgericht hat zutreffend erkannt, dass die Klägerin Anspruch auf Zahlung des anteiligen 13. Monatseinkommens für das Jahr 2003 in zuerkannter Höhe hat. Dieser Anspruch ergibt sich aus den Bestimmungen des Anerkennungstarifvertrages vom 15.08.1997 in Verbindung mit dem Tarifvertrag über die tarifliche Absicherung eines Teiles eines 13. Monatseinkommens in der Eisen-, Metall- und Elektroindustrie NRW vom 11.12.1996. 27 1. Der Anerkennungstarifvertrag vom 15.08.1997 gilt gemäß § 4 Abs. 1 S. 1 des Tarifvertragsgesetzes unmittelbar und zwingend zwischen den Parteien dieses Rechtsstreits. Die Klägerin ist Mitglied der IG Metall, die den Anerkennungstarifvertrag vom 15.08.1997 mit der Beklagten geschlossen hat. Als Mitglied der IG Metall ist die Klägerin gemäß § 3 Abs. 1 des Tarifvertragsgesetzes tarifgebunden. Die Beklagte, die gemäß § 2 Abs. 1 des Tarifvertragsgesetzes tariffähig ist, ist ebenfalls gemäß § 3 Abs. 1 des Tarifvertragsgesetzes tarifgebunden. 28 2. Der Anerkennungstarifvertrag vom 15.08.1997 ist nicht gemäß § 177 BGB unwirksam. Denn der Zeuge K3xxxxxxx, der den genannten Anerkennungstarifvertrag im Namen der Industriegewerkschaft Metall, Bezirksleitung NRW, abgeschlossen hat, war hierzu bevollmächtigt. Die Beklagte hat ihr dahingehendes Bestreiten im Termin vom 10.12.2004 ausdrücklich aufgegeben. 29 3. Die Wirksamkeit des genannten Anerkennungstarifvertrages kann nicht unter Hinweis auf die angeblich fehlende Durchsetzungsfähigkeit der IG Metall in Zweifel gezogen werden. Selbst wenn lediglich 1/5 der Mitarbeiter der Beklagten in der IG Metall organisiert sein sollten, wie die Beklagte behauptet, steht dies der Annahme der Durchsetzungsfähigkeit und Mächtigkeit der IG Metall auch im Hinblick auf das Unternehmen der Beklagten nicht entgegen. Für die Mächtigkeit der IG Metall im Unternehmen der Beklagten spricht bereits der Umstand, dass sie den Abschluss des Anerkennungstarifvertrages vom 15.08.1997 der Beklagten gegenüber durchsetzen konnte und damit erreicht hat, dass das wesentliche Tarifwerk, welches die IG Metall mit den Arbeitgeberverbänden der Eisen-, Metall- und Elektroindustrie NRW vereinbart hat, auch im Unternehmen der Beklagten zur Anwendung kommt, obwohl die Beklagte nicht Mitglied eines Arbeitgeberverbandes ist. 30 4. Gelten danach gemäß § 4 Abs. 1 S. 1 des Tarifvertragsgesetzes zwischen den Parteien des Rechtsstreits die Rechtsnormen des Anerkennungstarifvertrages vom 15.08.1997 unmittelbar und zwingend, so hat die Klägerin Anspruch auf Zahlung eines anteiligen 13. Monatseinkommens. Dieser Anspruch folgt aus den Bestimmungen des Tarifvertrages über die tarifliche Absicherung eines Teils eines 13. Monatseinkommens in der Eisen-, Metall- und Elektroindustrie NRW vom 11.12.1996, der gem. § 2 Abs. 2 des genannten Anerkennungstarifvertrages Teil dieses Tarifvertrages ist. Ein Verzicht auf tarifliche Rechte ist gemäß § 4 Abs. 4 des Tarifvertragsgesetzes nur in einem von den Tarifvertragsparteien gebilligten Vergleich zulässig, der unstreitig nicht gegeben ist. 31 5. Die Höhe des nach den Bestimmungen des Tarifvertrages über die tarifliche Absicherung eines Teiles eines 13. Monatseinkommens in der Eisen-, Metall- und Elektroindustrie NRW vom 11.12.1996 zu berechnenden Anspruchs der Klägerin auf anteiliges 13. Monatseinkommen für das Jahr 2003 ist zwischen den Parteien nicht weiter streitig. 32 III. 33 Die Kostenentscheidung beruht auf § 97 ZPO. 34 Der Streitwert hat sich im Berufungsverfahren nicht geändert. 35 Die Voraussetzungen für die Zulassung der Revision liegen nicht vor. 36 Dr. Wendling Vollenbröker Vogel 37 WR.