Urteil
5a K 5864/13.A
Verwaltungsgericht Gelsenkirchen, Entscheidung vom
VerwaltungsgerichtsbarkeitECLI:DE:VGGE:2014:0728.5A.K5864.13A.00
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Entscheidungsgründe
Tenor Die Bescheide des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge vom 28. Oktober 2013 (Az.: 5677205-423 und 5674245-423) werden zu Nrn. 2 bis 4 aufgehoben. Die Beklagte wird verpflichtet, den Klägern jeweils die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen.Die Kosten des Verfahrens trägt die Beklagte. Gerichtskosten werden nicht erhoben.Das Urteil ist hinsichtlich der Kosten vorläufig vollstreckbar. Die Beklagte darf die Vollstreckung seitens der Kläger durch Sicherheitsleistung in Höhe des jeweils vollstreckungsfähigen Betrages abwenden, wenn nicht die Beklagte vor der Vollstreckung Sicherheit leistet. 1 Tatbestand: 2 Der am Jahre 1977 in V. geborene Kläger zu 1., seine Ehefrau, die im Jahre 1983 in E. geborene Klägerin zu 2., sowie ihre gemeinsamen Kinder, die im Jahre 2001 in U. geborene Klägerin zu 3., der im Jahre 2003 in U. geborene Kläger zu 4. und die am 7. November 2012 in J. geborene Klägerin zu 5. sind afghanische Staatsangehörige hazarischer Volkszugehörigkeit und nunmehr christlichen Glaubens. 3 Die Kläger zu 1. bis 4. verließen zunächst gemeinsam ihr Heimatland und reisten über den Iran und die Türkei gemeinsam bis nach Griechenland. In Mazedonien wurde die Familie getrennt. Der Kläger zu 1. erreichte auf dem Landwege im September 2013 die Bundesrepublik und beantragte am 7. Oktober 2013 seine Anerkennung als Asylberechtigter. Die Kläger zu 2. bis 5. erreichten ebenfalls im September 2013 auf dem Landwege die Bundesrepublik und beantragten am 27. September 2013 ihre Anerkennung als Asylberechtigte. 4 Der Kläger zu 1. und die Klägerin zu 2. wurden jeweils am 14. Oktober 2013 seitens des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bundesamt) zu ihren und ihrer Kinder Fluchtgründen angehört. Auf die Niederschriften über die Anhörungen wird verwiesen (Bl. 26-39 in der Beiakte Heft 1 sowie Bl. 29-38 der Beiakte Heft 2). 5 Mit Bescheiden vom 28. Oktober 2013 lehnte das Bundesamt die Asylanträge der Kläger jeweils ab und verneinte sowohl die Voraussetzungen der Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft als auch das Vorliegen von Abschiebungsverboten nach § 60 Abs. 2 bis 7 des Aufenthaltsgesetzes. Die Kläger wurden aufgefordert, die Bundesrepublik innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe der Entscheidung, im Falle der Klageerhebung innerhalb eines Monats nach dem unanfechtbaren Abschluss des Asylverfahrens zu verlassen. Für den Fall der nicht fristgerechten Ausreise wurde den Klägern die Abschiebung nach Afghanistan bzw. in einen anderen Staat, in den sie einreisen dürften oder zu ihrer Rückübernahme verpflichtet sei, angedroht. Auf die weitere Begründung der Bescheide wird verwiesen (Bl. 44-51 der Beiakte Heft 1, und Bl. 55-60 der Beiakte Heft 2). Die Bescheide wurden den Klägern am 30. Oktober 2013 (Kläger zu 1.) und am 6. November 2013 (Kläger zu 2. bis 5.) zugestellt. 6 Am 13. November 2013 hat der Kläger zu 1. im vorliegenden und ebenfalls am 13. November 2013 haben die Kläger zu 2. bis 5. im Verfahren 5a K 5865/13.A Klage erhoben. Letztgenanntes Verfahren ist durch Beschluss vom 6. Mai 2014 zum vorliegenden Verfahren verbunden worden. 7 Zur Begründung ergänzen und vertiefen die Kläger ihren Vortrag gegenüber dem Bundesamt und verweisen ergänzend auf ihre Konversion zum christlichen Glauben. 8 Die Kläger beantragen, 9 die Beklagte unter Aufhebung der Bescheide des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge vom 28. Oktober 2013 zu den Nrn. 2 bis 4 zu verpflichten, den Klägern die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen,hilfsweise,die Beklagte unter Aufhebung der Bescheide des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge vom 28. Oktober 2013 zu den Nrn. 3. und 4. zu verpflichten, festzustellen, dass den Klägern subsidiärer Schutz zuzuerkennen ist, 10 äußerst hilfsweise,die Beklagte unter Aufhebung der Bescheide des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge vom 28. Oktober 2013 zu Nrn. 3. und 4. zu verpflichten, festzustellen, dass den Klägern ein Abschiebungsverbot gemäß § 60 Abs. 5 oder Abs. 7 des Aufenthaltsgesetzes zuzuerkennen ist. 11 Die Beklagte beantragt (schriftsätzlich) 12 die Klage abzuweisen. 13 Zur Begründung bezieht sie sich im Wesentlichen auf den Inhalt der angefochtenen Bescheide. 14 Die Kammer hat durch Beschluss vom 6. Mai 2014 das Verfahren auf den Berichterstatter als Einzelrichter zur Entscheidung übertragen. 15 Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird auf den Inhalt der Gerichtsakte sowie der Verwaltungsvorgänge des Bundesamtes Bezug genommen. 16 Entscheidungsgründe: 17 Das Gericht entscheidet trotz des Ausbleibens der Beklagten im Termin zur mündlichen Verhandlung, da die Beklagte in der ordnungsgemäßen Ladung darauf hingewiesen wurde, dass gemäß § 102 Abs. 2 der Verwaltungsgerichtsordnung (VwGO) beim Ausbleiben eines Beteiligten auch ohne ihn verhandelt und entschieden werden kann. 18 Die zulässige Klage hat auch in der Sache Erfolg. Die Kläger haben im maßgeblichen Zeitpunkt der mündlichen Verhandlung gemäß § 77 Abs. 1 des Asylverfahrensgesetzes (AsylVfG) einen Anspruch auf Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft nach § 3 Abs. 1 i.V.m. Abs. 4 AsylVfG, § 113 Abs. 5 Satz 1 VwGO. Insoweit sind die streitgegenständlichen Bescheide des Bundesamtes vom 28. Oktober 2013 hinsichtlich der Nummern 2 bis 4 aufzuheben. 19 Nach § 3 Abs. 1 AsylVfG genießt ein Ausländer den Schutz als Flüchtling im Sinne des Abkommens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge vom 28. Juli 1951 - Genfer Flüchtlingskonvention -, wenn er sich aus begründeter Furcht vor Verfolgung wegen seiner Rasse, Religion, Nationalität, politischen Überzeugung oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe (dazu im Einzelnen § 3b AsylVfG) außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit er besitzt und dessen Schutz er nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Furcht nicht in Anspruch nehmen will oder in dem er als Staatenloser seinen vorherigen gewöhnlichen Aufenthalt hatte und in das er nicht zurückkehren kann oder wegen dieser Furcht nicht zurückkehren will. Ausnahmsweise ausgeschlossen ist dieser Flüchtlingsschutz in den Fällen des § 3 Abs. 2 bis 4 AsylVfG und des § 60 Abs. 8 AufenthG. 20 Als Verfolgung gelten gemäß § 3a AsylVfG Handlungen, die auf Grund ihrer Art und Wiederholung so gravierend sind, dass sie eine schwerwiegende Verletzung der grundlegenden Menschenrechte darstellen bzw. in einer Kumulierung unterschiedlicher Maßnahmen, einschließlich einer Verletzung er Menschenrechten, bestehen, die so gravierend ist, dass eine Person davon in ähnlicher Weise betroffen ist, § 3a Abs. 1 AsylVfG. Die grundlegenden Menschenrechte in diesem Sinne sind insbesondere die Rechte, von denen nach Artikel 15 Abs. 2 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK) keine Abweichung zulässig ist (Folter, Sklaverei und Leibeigenschaft, keine Strafe ohne Gesetz). Als Verfolgung können unter anderem die Anwendung physischer oder psychischer Gewalt, einschließlich sexueller Gewalt gelten, aber auch gesetzliche, administrative, polizeilicher oder justizielle Maßnahmen, die als solche diskriminierend sind oder in diskriminierender Weise angewandt werden, ebenso unverhältnismäßige oder diskriminierende Strafverfolgung oder Bestrafung, ebenso die Verweigerung gerichtlichen Rechtsschutzes mit dem Ergebnis einer unverhältnismäßigen oder diskriminierenden Bestrafung, ebenso Strafverfolgung oder Bestrafung wegen Verweigerung des Militärdienstes in einem Konflikt, wenn der Militärdienst Verbrechen oder Handlungen umfassen würde, die den Flüchtlingsschutz nach § 3 Abs. 2 AsylVfG ausschließen, sowie Handlungen, die an die Geschlechtszugehörigkeit anknüpfen oder gegen Kinder gerichtet sind. 21 Ausgehen kann die Verfolgung gemäß § 3b AsylVfG von dem Staat, von Parteien oder Organisationen, die den Staat oder einen wesentlichen Teil des Staatsgebietes beherrschen oder von nichtstaatlichen Akteuren, sofern der Staat oder die Parteien oder Organisationen, die den Staat oder einen wesentlichen Teil des Staatsgebietes beherrschen, einschließlich internationaler Organisationen, erwiesenermaßen nicht in der Lage oder nicht willens sind, Schutz vor Verfolgung zu bieten, und dies unabhängig davon, ob in dem Land eine staatliche Herrschaftsmacht vorhanden ist oder nicht. 22 Schutz vor Verfolgung muss nach § 3d Abs. 2 AsylVfG wirksam und darf nicht nur vorübergehender Art sein. Generell ist ein solcher Schutz gewährleistet, wenn der Staat oder die Parteien bzw. Organisationen einschließlich internationaler Organisationen, die den Staat oder einen wesentlichen Teil des Staatsgebietes beherrschen, geeignete Schritte einleiten, um die Verfolgung zu verhindern, beispielsweise durch wirksame Rechtsvorschriften zur Ermittlung, Strafverfolgung und Ahndung von Handlungen, die eine Verfolgung darstellen, und wenn der Ausländer Zugang zu diesem Schutz hat. Interner Schutz schließt dabei die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft aus, und zwar dann, wenn der Ausländer in einem Teil seines Herkunftslandes keine begründete Furcht vor Verfolgung oder Zugang zu Schutz vor Verfolgung im vorbeschriebenen Sinne hat und der Ausländer sicher und legal in diesen Landesteil reisen kann, dort aufgenommen wird und vernünftigerweise erwartet werden kann, dass er sich dort niederlässt, § 3e Abs. 1 AsylVfG. Ob ein solch interner Schutz besteht, ist unter Heranziehung der Vorgaben des § 3e Abs. 2 AsylVfG zu prüfen. 23 Schließlich muss zwischen den Verfolgungsgründen und den Verfolgungshandlungen oder dem Fehlen von Schutz vor solchen Handlungen eine Verknüpfung bestehen, § 3a Abs. 3 AsylVfG. 24 Hinsichtlich des Prognosemaßstabs ist bei der Prüfung der Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft der Maßstab der beachtlichen Wahrscheinlichkeit zugrunde zu legen. Art. 4 Abs. 4 RL 2011/95/EG privilegiert dabei den von ihm erfassten Personenkreis bei einer Vorverfolgung durch eine Beweiserleichterung, nicht aber durch einen herabgestuften Wahrscheinlichkeitsmaßstab. 25 Vgl. zur Vorgängerregelung in Art. 4 Abs. 4 RL 2004/83/EG: Bundesverwaltungsgericht (BVerwG), Urteile vom 7. September 2010 - 10 C 11.09 -, vom 27. April 2010 - 10 C 5.09 -, und vom 1. Juni 2011 - 10 C 10.10 u. 10 C 25.10 -; Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen (OVG NRW), Urteil vom 17. August 2010 - 8 A 4063/06.A -; OVG Saarland, Urteil vom 16. September 2011 - 3 A 352/09 -; OVG Schleswig-Holstein, Urteil vom 6. Oktober 2011 - 4 LB 5/11 -. 26 Im Übrigen folgt aus den in Art. 4 RL 2011/95/EG geregelten Mitwirkungs- und Darlegungsobliegenheiten des Antragstellers, dass es auch unter Berücksichtigung der Vorgaben dieser Richtlinie Sache des Ausländers ist, die Gründe für seine Flucht vor Verfolgung schlüssig vorzutragen. Dazu muss er unter Angabe genauer Einzelheiten einen in sich stimmigen Sachverhalt schildern, aus dem sich bei Wahrunterstellung ergibt, dass bei verständiger Würdigung eine Verfolgung droht. 27 Vgl. zur Vorgängerregelung in Art. 4 RL 2004/83/EU: OVG NRW, Urteil vom 17. August 2010 - 8 A 4063/06.A -. 28 Ausgehend von diesen Grundsätzen steht den Klägern im entscheidungserheblichen Zeitpunkt der mündlichen Verhandlung ein Anspruch auf Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft nach §§ 3 Abs. 1 Nr. 1 und Abs. 4 AsylVfG aufgrund einer Verfolgung wegen ihrer Religion zu. Nach Überzeugung des Gerichts droht den Klägern wegen der von ihnen glaubhaft vorgetragenen Konversion zum Christentum und der damit verbundenen Apostasie im Falle einer Rückkehr nach Afghanistan mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine Verfolgung durch nichtstaatliche Akteure. 29 Der Begriff der Religion umfasst dabei gemäß §3b Abs. 1 Nr. 2 AsylVfG insbesondere theistische, nichttheistische und atheistische Glaubensüberzeugungen, die Teilnahme bzw. Nichtteilnahme an religiösen Riten im privaten und öffentlichen Bereich, allein oder in Gemeinschaft mit anderen, sonstige religiöse Betätigungen oder Meinungsäußerungen und Verhaltensweisen Einzelner oder der Gemeinschaft, die sich auf eine religiöse Überzeugung stützen oder nach dieser vorgeschrieben sind. Hierdurch wird auch und insbesondere die Religionsausübung in der Öffentlichkeit geschützt, so dass es unter Geltung der Qualifikationsrichtlinie dem Religionswechsler nicht mehr zuzumuten ist, öffentlich praktizierten Riten der Glaubensgemeinschaft − etwa Gottesdiensten oder Prozessionen − fernzubleiben, um staatliche Sanktionen zu vermeiden. 30 Vgl. Europäische Gerichtshof (EuGH), Urteil vom 5. September 2012 - verb. Rs. C-71/11 und C-99/11 -, Rn. 69; BVerwG, Urteil vom 20. Februar 2013 – 10 C 23/12 -; jeweils zitiert nach juris; s. auch Marx , Verfolgung aus Gründen der Religion aus menschenrechtlicher Sicht – Anmerkungen zur Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes vom 5. September 2012, ASYLMAGAZIN 2012, S. 327 ff. 31 Der Glaubensangehörige ist insofern auch verfolgt, wenn er zu unzumutbaren Ausweichhandlungen genötigt ist, um der staatlichen Repression zu entkommen. Das ist der Fall, wenn er sich einer Bestrafung nur entziehen kann, indem er seine Religionszugehörigkeit leugnet und wirkungsvoll versteckt hält. 32 Vgl. OVG NRW, Urteil vom 7. November 2012 - 13 A 1999/07.A -, juris Rz. 35, sowie zuvor bereits Beschlüsse vom 30. März 2011- 9 A 567/11.A -, juris Rz. 15, und vom 30. Juli 2009 - 5 A 982/07.A - und - 5 A 1999/07.A -, juris Rz. 34 bzw. 37. 33 Beruft sich der Schutzsuchende – wie hier – auf eine Verfolgungsgefährdung mit der Begründung, er sei in Deutschland zu einer in seinem Herkunftsland bekämpften Religion übergetreten, muss er die inneren Beweggründe glaubhaft machen, die ihn zur Konversion veranlasst haben. Es muss festgestellt werden können, dass die Hinwendung zu der angenommenen Religion auf einer festen Überzeugung und einem ernst gemeinten religiösen Einstellungswandel und nicht auf Opportunitätserwägungen beruht, und der Glaubenswechsel nunmehr die religiöse Identität des Schutzsuchenden prägt. Wann eine solche Prägung anzuerkennen ist, lässt sich nicht allgemein beschreiben. Nach dem aus der Gesamtheit des Verwaltungs- und gerichtlichen Verfahrens gewonnenen Eindruck muss sich der Schutzsuchende aus voller innerer Überzeugung von seinem bisherigen Bekenntnis gelöst und dem anderen Glauben zugewandt haben. Hat er eine christliche Religion angenommen, genügt es im Regelfall nicht, dass der Schutzsuchende lediglich formal zum Christentum übergetreten ist, indem er getauft wurde. Von einem Erwachsenen, der sich zum Bekenntniswechsel entschlossen hat, darf im Regelfall erwartet werden, dass er mit den wesentlichen Grundzügen seiner neuen Religion vertraut ist. Welche Anforderungen im Einzelnen zu stellen sind, richtet sich vorwiegend nach seiner Persönlichkeit und seiner intellektuellen Disposition. Überdies wird regelmäßig nur dann anzunehmen sein, dass der Konvertit ernstlich gewillt ist, seine christliche Religion auch in seinem Heimatstaat auszuüben, wenn er seine Lebensführung bereits in Deutschland dauerhaft an den grundlegenden Geboten der neu angenommenen Konfession ausgerichtet hat. 34 Vgl. OVG NRW, Urteil vom 7. November 2012 - 13 A 1999/07.A -, juris Rz. 37 ff., sowie Beschlüsse vom 21. März 2012 - 13 A 674/12.A -, juris Rz. 5 ff., und vom 30. Juli 2009 - 5 A 982/07.A - und - 5 A 1999/07.A -, juris Rz. 41 ff. bzw. 44 ff. 35 Nach dem persönlichen Eindruck, den das Gericht vom Kläger zu 1. und von der Klägerin zu 2. in der mündlichen Verhandlung gewonnen hat, bestehen keine Zweifel daran, dass der Kläger zu 1. und die Klägerin zu 2. nicht nur formell, sondern ernsthaft vom Islam zum Christentum übergetreten sind und der christliche Glaube nunmehr ihre religiöse Identität bestimmt. Ihr gesamtes Vorbringen zum Glaubenswechsel ist frei von Widersprüchen und Übertreibungen. Die Ausführungen überzeugen inhaltlich und geben ein insgesamt stimmiges Bild ab. 36 Der Kläger zu 1. und die Klägerin zu 2. haben anschaulich beschrieben, wie sie – zusammen mit ihren Kindern – auf der Flucht aus Afghanistan zum ersten Mal mit dem Christentum in Berührung gekommen sind und sich nach der Einreise in die Bundesrepublik aus eigenem Antrieb um eine vertiefte Kenntnis christlicher Glaubensinhalte bemüht haben. Es ist angesichts dieser Glaubensinhalte und unter Berücksichtigung des Bildungsstandes des Klägers zu 1. und der Klägerin zu 2. ohne Weiteres plausibel, dass sie die Besserung des Gesundheitszustandes des Vaters der Klägerin zu 2. als besonderes Zeichen der Wirksamkeit ihres neuen Glaubens ansehen. 37 Der hierdurch vermittelte persönliche Eindruck des Klägers zu 1. und der Klägerin zu 2. wird nicht durch die Bewertung ihres Vortrages gegenüber dem Bundesamt – auf den es im Übrigen wegen der Konversion der Kläger nicht mehr ankommt –, wie er im streitgegenständlichen Bescheid erfolgt ist, relativiert. Die im Bescheid angegebenen Gründe finden jedenfalls in der Niederschrift über die Anhörung keine nachvollziehbare Stütze, da der Bildungsgrad des Klägers zu 1. und der Klägerin zu 2. in der Bescheidbegründung völlig unzureichend gewichtet ist und sich die Bescheidbegründung darüber hinaus ein Wissen darüber anmaßt, welches Verhalten von welchem Taliban-Angehörigen zu erwarten ist, ohne dass die konkreten Quellen offengelegt werden, aus denen sich dieses erstaunliche Wissen des Bundesamtes ergibt. 38 Dass alle Kläger regelmäßig an Gottesdiensten und am übrigen Gemeindeleben teilnehmen, wird durch die Bescheinigung von Pastor T. (Christuskirche E1. , Baptistengemeinde) vom 25. April 2014 bestätigt. 39 Die zu den Gerichtsakten gereichten Taubescheinigungen belegen die am 6. April 2014 erfolgte Taufe des Klägers zu 1. und der Klägerin zu 2. Mit der Taufe haben sie den Glaubenswechsel auch nach außen hin vollzogen. Dass ihre gemeinsamen Kinder noch nicht getauft sind, spricht weder gegen die Glaubensentscheidung der Eltern noch bedeutet dies, dass die Kläger zu 3. bis 5. im vorliegenden Verfahren als nicht zur christlichen Glaubensgemeinschaft gehörig anzusehen sind. Im baptistischen Glaubensverständnis ist die Taufe grundsätzlich Folge einer bewussten Umkehrentscheidung des Täuflings selbst, so dass die aus anderen christlichen Glaubensgemeinschaften bekannte Säuglings- bzw. Kindstaufe nicht befürwortet wird. 40 Vgl. Dr. F.E. Wieser, Neutestamentliche Taufe und baptistisches Taufverständnis (Kurzfassung), www.baptisten-muenchen.de/uploads/media/themen_02.pdf 41 Da die Kläger zu 3. bis 5. regelmäßig an den Gottesdiensten ihrer Gemeinde teilnehmen und auch im christlichen Glauben erzogen werden, besteht kein Zweifel daran, dass auch sie aus der Sicht der entsprechenden Akteure in Afghanistan (dazu sogleich) schon jetzt Apostaten sind. 42 Bei dieser Sachlage ist davon auszugehen, dass die Kläger bei einer Rückkehr nach Afghanistan aufgrund ihres Abfalls vom moslemischen Glauben und der Zuwendung zum christlichen Glauben mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit befürchten müssen, schwerwiegenden Ein- und Übergriffen auf ihre körperliche Unversehrtheit jedenfalls durch nichtstaatliche Akteure ausgesetzt zu sein. Die Kläger können dabei auch nicht auf etwaigen internen Schutz oder eine innerstaatliche Schutzalternative verwiesen werden. Dass die Konversion vom Islam zu einer christlichen Kirche mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit in Afghanistan zu politischer Verfolgung führt, entspricht sowohl der bisherigen Rechtsprechung der Kammer, 43 vgl. zuletzt Urteil vom 9. September 2013 - 5a K 45/11.A –, sowie Urteil vom 15. September 2005 - 5a K 7039/03.A - (unter Hinweis u. a. auf Lagebericht des Auswärtigen Amtes vom 3. November 2004; amnesty international, Stellungnahme vom 28. Juli 2003; Danesch, Gutachten an VG Gießen vom 6. April 2004 und Gutachten an VG Braunschweig vom 13. Mai 2004), 44 als auch – nach wie vor – der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung bundesweit, 45 vgl. OVG NRW, Urteil vom 19. Juni 2008 - 20 A 3886/05.A -, Hessischer Verwaltungsgerichtshof, Urteile vom 18. September 2008 - 8 UE 858/06.A - und vom 24. Juni 2010 - 8 A 290/09.A -, VG Ansbach, Urteil vom 23. Januar 2014 – AN 11 K 13.31105 -; VG Lüneburg, Urteil vom 29. Dezember 2008 - 1 A 154/06 -, VG Oldenburg, Urteil vom 23. Januar 2013 – 3 A 487/11 -, VG Meiningen, Urteile vom 16. September 2010 - 8 K 20101/09 Me - und vom 24. März 2011 - 8 K 20215/10 Me -, VG Trier, Urteil vom 26. Oktober 2011 - 5 K 493/11.TR -, VG des Saarlandes, Urteile vom 28. März 2012 - 5 K 1037/10 und 5 K 181/11 -, VG Würzburg, Urteil vom 16. Februar 2012 - W 2 K 11.30264 -, 24. September 2012 - W 2 K 11.30303 – und vom 25. Februar 2014 – W 1 K 13.30164 -, VG Magdeburg, Urteile vom 16. Juli 2012 - 5 A 72/11 MD - und vom 12. Oktober 2012 - 5 A 302/11 MD -, VG Schleswig-Holstein, Urteil vom 26. Oktober 2012 - 12 A 194/10 -, VG Minden, Urteil vom 14. November 2012 - 3 K 2791/11.A -, jeweils zitiert nach juris. 46 Die Kammer hält auch und gerade angesichts der aktuellen Erkenntnisquellen zur Situation der zum christlichen Glauben konvertierten Moslems, 47 vgl. u. a. Lageberichte des Auswärtigen Amtes vom 31. März 2014, S. 11, vom 4. Juni 2013, S. 11 und vom 10. Januar 2012, S. 16 ff.; Bericht des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge zur „Lage der Religionsgemeinschaften in ausgewählten islamischen Ländern“, August 2011, S. 7 ff.; UNHCR-Richtline zur Feststellung des internationalen Schutzbedarfs afghanischer Asylsuchender vom 24. März 2011, S. 6 der zusammenfassenden Übersetzung; Schweizerische Flüchtlingshilfe, Afghanistan Update vom 3. September 2012, 23. August 2011 und 11. August 2009; amnesty international, AI-Report 2011 Afghanistan vom 10. März 2011 bzw. 12. Mai 2011 sowie AI-Report 2012 Afghanistan vom 23. Mai 2012; Internationale Gesellschaft für Menschenrechte, „Situation christlicher Konvertiten in Afghanistan vom 27. Februar 2008, zitiert nach VG Würzburg, Urteil vom 24. September 2012 - W 2 K 11.30303 -, 48 an dieser Rechtsprechung fest. 49 Nach alledem ist der Klage mit dem Hauptantrag auf Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft stattzugeben. Auf die Hilfsanträge kommt es nicht mehr entscheidungserheblich an. 50 Die Kostenentscheidung folgt aus §§ 154 Abs. 1 VwGO. Gerichtskosten werden nach § 83 b AsylVfG nicht erhoben. 51 Die vorläufige Vollstreckbarkeit der Kostenentscheidung beruht auf § 167 VwGO i.V.m. §§ 708 Nr. 11, 709 Satz 2, 711 der Zivilprozessordnung (ZPO).