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Beschluss

24 W (pat) 89/06

Bundespatentgericht, Entscheidung vom

PatentrechtBundesgericht
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Entscheidungsgründe
BUNDESPATENTGERICHT 24 W (pat) 89/06 _______________ (Aktenzeichen) An Verkündungs Statt zugestellt am 5. Oktober 2007 … B E S C H L U S S In der Beschwerdesache … betreffend die Markenanmeldung 306 06 811.7 hat der 24. Senat (Marken-Beschwerdesenat) des Bundespatentgerichts aufgrund der mündlichen Verhandlung vom 31. Juli 2007 unter Mitwirkung des Vorsitzenden Richters Dr. Ströbele sowie der Richterin Kirschneck und des Richters Eisenrauch beschlossen: Die Beschwerde wird zurückgewiesen. BPatG 154 08.05 - 2 - G r ü n d e I. Die Wortmarke www.markenpatente.de ist für die Dienstleistungen „Klasse 38: Bereitstellen von Informationen im Internet, insbeson- dere über Marken und Patente Klasse 42: Dienstleistungen auf dem Gebiet der Rechtsberatung, insbesondere Beratung zu Marken und Patenten“ zur Eintragung in das vom Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) geführte Register angemeldet. Mit Beschluss vom 6. Juli 2006 hat die mit einem Beamten des höheren Dienstes besetzte Markenstelle für Klasse 42 des DPMA die Anmeldung wegen der Schutzhindernisse fehlender Unterscheidungskraft und einer ausschließlich aus beschreibenden Angaben bestehenden Marke gemäß §§ 8 Abs. 2 Nr. 1 und 2, 37 Abs. 1 MarkenG zurückgewiesen. Die angemeldete Wortmarke „www.markenpatente.de“ weise ausschließlich beschreibend darauf hin, dass Ge- genstand der Dienstleistungen der Bereich der Marken und Patente sei, wobei die weiteren Bestandteile „www.“ und „.de“ lediglich noch anzeigten, dass es sich um eine Internetsite entsprechenden Inhalts handle. Die Konkurrenten der Anmelderin hätten ein Interesse daran, ebenfalls ohne Behinderungen auf entsprechende Ei- genschaften ihrer Dienstleistungen hinzuweisen. Wegen der ohne weiteres ver- ständlichen rein sachbezogenen Bedeutung würde die angemeldete Marke über- - 3 - dies von den angesprochenen Verkehrskreisen nicht als Hinweis auf die Herkunft der Dienstleistungen aus einem ganz bestimmten Unternehmen verstanden. So- weit sich die Anmelderin auf die Eintragung der Gemeinschaftsmarke Nr. 1 406 727 „markenpatent“ berufe, habe diese nach ständiger und gefestigter Rechtsprechung keinen Einfluss auf die Beurteilung der Schutzfähigkeit der vor- liegend angemeldeten Marke. Hiergegen richtet sich die Beschwerde des Anmelders. Er trägt zur Begründung im Wesentlichen vor, dass er zugleich Inhaber der Domain „markenpatente.de“ sei. Deshalb sei niemand berechtigt, diese Domain zu benutzen, was ein Freihaltebe- dürfnis der Mitbewerber an der angemeldeten Marke faktisch ausschließe. Im Hin- blick darauf, dass eine Domain nur einmal vergeben werde, könne die angemel- dete Marke auch als Hinweis auf ein bestimmtes Unternehmen, nämlich das des Inhabers der Domain, verstanden werden und besitze folglich Unterscheidungs- kraft. Er verweist nochmals auf die eingetragene Gemeinschaftsmarke „marken- patent“ sowie auf weitere registrierte, in Form von Domains gebildete deutsche Marken, u. a. Nr. 303 56 541 „www.gaspedal.de“, Nr. 398 25 876 „www.einkaufen24.de“; Nr. 399 79 255 „www.post.de“, bei denen sich kein rechtli- cher Unterschied zu der angemeldeten Marke feststellen lasse. Der Anmelder beantragt, den angefochtenen Beschluss der Markenstelle aufzuheben. Wegen der weiteren Einzelheiten wird auf den Inhalt der Akten verwiesen. II. Die zulässige Beschwerde des Anmelders hat in der Sache keinen Erfolg. Nach Auffassung des Senats ist die angemeldete Marke jedenfalls wegen Fehlens jegli- - 4 - cher Unterscheidungskraft gemäß § 8 Abs. 2 Nr. 1 MarkenG von der Eintragung ausgeschlossen. Unterscheidungskraft im Sinn der genannten Bestimmung ist die einer Marke in- newohnende (konkrete) Eignung, vom maßgeblichen Publikum, d. h. den normal informierten, aufmerksamen und verständigen Durchschnittsverbrauchern der in Rede stehenden Waren oder Dienstleistungen, als Unterscheidungsmittel für die betreffenden Waren oder Dienstleistungen eines Unternehmens gegenüber sol- chen anderer Unternehmen aufgefasst zu werden. Denn die Hauptfunktion einer Marke liegt darin, die Ursprungsidentität der gekennzeichneten Waren oder Dienstleistungen zu gewährleisten (vgl. EuGH MarkenR 2003, 227, 232 f. (Nr. 61, 62) „Orange“; GRUR 2004, 428, 429 f. (Nr. 30, 31) „Henkel“; GRUR 2004, 943, 944 (Nr. 23, 24) „SAT.2“; BGH GRUR 2006, 850, 854 (Nr. 17) „FUSSBALL WM 2006“). Keine Unterscheidungskraft besitzen nach der Recht- sprechung solche Wortmarken, denen die maßgeblichen Verkehrskreise für die fraglichen Waren oder Dienstleistungen lediglich einen im Vordergrund stehenden beschreibenden Begriffsinhalt zuordnen, sowie außerdem solche, die aus ge- bräuchlichen Wörtern der deutschen oder einer fremden Sprache bestehen, die vom Verkehr - etwa auch wegen einer entsprechenden Verwendung in der Wer- bung oder in den Medien - stets nur als solche und nicht als Unterscheidungsmittel verstanden werden (vgl. u. a. BGH GRUR 2001, 1151, 1152 „marktfrisch“; GRUR 2001, 1153 „antiKALK“; GRUR 2003, 1050, 1051 „Cityservice“; a. a. O. (Nr. 19) „FUSSBALL WM 2006“; EuGH GRUR 2004, 674, 678 (Nr. 86) „Postkan- toor“). Ausgehend hiervon ist die Beurteilung der Markenstelle nicht zu beanstan- den, dass die angesprochenen Verkehrskreise die angemeldete Bezeichnung „www.markenpatente.de“ nur als Sachhinweis auf den Gegenstand der angemel- deten Dienstleistungen und ein entsprechendes Angebot im Internet auffassen werden, nicht aber als Kennzeichnung von Dienstleistungen eines bestimmten Unternehmens. - 5 - Die beiden darin enthaltenen Begriffe „marken“ und „patente“ sind geläufige Be- zeichnungen für einerseits - schutzrechtsfähige - Kennzeichnungsmittel für Waren und Dienstleistungen (Marken) und andererseits Schutzrechte an technischen Er- findungen (Patente). Im Zusammenhang mit den beanspruchten Dienstleistungen „Bereitstellen von Informationen im Internet, insbesondere über Marken und Pa- tente“ sowie „Dienstleistungen auf dem Gebiet der Rechtsberatung, insbesondere Beratung zu Marken und Patente“ beschreiben die beiden Wörter für die ange- sprochenen Verkehrskreise naheliegend und ohne weiteres verständlich deren möglichen inhaltlichen Gegenstand, wie er im Übrigen bereits aus der Formulie- rung des Dienstleistungsverzeichnisses hervorgeht. Dabei erzeugt auch die konkrete Kombination der beiden beschreibenden, nicht unterscheidungskräftigen Angaben „markenpatente“ mittels Zusammenschreibung keinen ungewöhnlichen, über die bloße Summenwirkung hinausgehenden unter- scheidungskräftigen Gesamteindruck bzw. Gesamtbegriff (vgl. EuGH a. a. O. (Nr. 98-100) „Postkantoor“; GRUR 2004, 680, 681 (Nr. 39-41) „BIOMILD“; GRUR 2006, 229, 231 (Nr. 34-37) „BioID“; MarkenR 2007, 204, 209 (Nr. 76) „CELLTECH“). Vielmehr erschöpft sich die Verbindung der beiden Wörter in einer aneinanderreihenden Aufzählung der - schwerpunktmäßigen - Gegenstände der betreffenden Informations- und Beratungsdienste. Dieses Verständnis ergibt sich vorliegend insbesondere aus der Einbindung der beiden Sachangaben als sog. Second-Level-Domain in eine Internet-Adresse mit dem vorangestellten Kürzel „www.“ für „world wide web“, einem über das Internet abrufbaren Hypertextsystem, und der nachgestellten Top-Level-Domain „.de“, welche die Domain geographisch Deutschland zuordnet. Denn in (Second-Level-)Domains wird als Trennungszei- chen zwischen zwei Wörtern wegen der insoweit begrenzten Möglichkeit zur Ver- wendung von Sonderzeichen häufig ein Bindestrich benutzt oder die Wörter wer- den einfach aneinander geschrieben. Auch dass die angemeldete Marke insgesamt die Form einer Internet-Adresse aufweist, wirkt sich nicht schutzbegründend aus. So kann nach ganz überwiegen- - 6 - der Auffassung in Rechtsprechung und Literatur einer Marke, die nach Art einer Internet-Adresse gebildet ist, nicht allein wegen des Umstandes, dass Internet- Adressen nach bisheriger Praxis nur einmal vergeben werden, Unterscheidungs- kraft im markenrechtlichen Sinne gemäß § 8 Abs. 2 Nr. 1 MarkenG und damit die Eignung beigemessen werden, die betroffenen Waren oder Dienstleistungen als aus einem bestimmten Unternehmen stammend zu kennzeichnen. Die einmalige Vergabe besagt nämlich nicht notwendig, dass eine Internet-Adresse stets auch zu dem Produkt- oder Leistungsangebot eines bestimmten Anbieters führt. So wird in Internet-Adressen nicht selten ein Gattungs- oder sonstiger Sachbegriff als Se- cond-Level-Domain gewählt, der auf den Inhalt einer Web-Seite hinweist und als Suchhilfe sowie zur Beschreibung von Teilnetzen oder zur Eingrenzung von The- menkreisen fungiert, wobei derartige Domain-Namen oft Internet-Seiten adressie- ren, die weitere Informationen zu einem bestimmten Thema und Links zu ver- schiedenen Anbietern enthalten, den Urheber der Seite aber nicht erkennen las- sen (vgl. BPatG BlPMZ 2000, 294, 296 „http://cyberlaw.de“; BPatGE 43, 263, 265 „eCollect.de“; GRUR 2004, 336, 338 „beauty24.de“). Zudem gibt es zwischen Marken und Internet-Adressen erhebliche Unterschiede in ihren Kennzeichnungs- gegenständen und -zwecken (vgl. Fezer WRP 2000, 669, 678 f.). Hiervon ist auch der Bundesgerichtshof in der Entscheidung zu dem Domain-Namen „Mitwohn- zentrale.de“ (GRUR 2001, 1061, 1062 f.) ausgegangen, in der er ausgeführt hat, dass an generischen Begriffen als Domain-Namen ein reges Interesse bestehe und wegen des Suchverhaltens der Internetnutzer der Einsatz von Gattungsbe- zeichnungen als Internet-Adressen zu einer gewissen Kanalisierung der Kunden- ströme führen könne, die Registrierung derartiger Gattungsbezeichnungen im Ge- gensatz zum Markenrecht (mangels einer Rechtsgrundlage) aber nicht aus dem Gesichtspunkt des Freihaltungsinteresses verhindert werden könne (vgl. hierzu auch BPatG a. a. O. „beauty24.de“). Ob eine nach Art einer Internet-Adresse gestaltete Marke Unterscheidungskraft aufweist, bleibt daher eine im Einzelfall nach den maßgeblichen markenrechtlichen Kriterien zu beurteilende Frage. Aus- gehend hiervon sowie im Hinblick darauf, dass die gängigen Top-Level-Domains (z. B. .de, ,.at, .ch, .com) lediglich ein geographisches oder organisatorisches Zu- - 7 - ordnungskriterium darstellen und daher vom Verkehr nicht als unternehmerischer Herkunftshinweis aufgefasst werden, fehlt einer nach Art eines Domain-Namens gebildeten Marke die Unterscheidungskraft regelmäßig dann, wenn die Second- Level-Domain, wie in der vorliegenden Markenanmeldung, nur in einer für die an- gemeldeten Waren oder Dienstleistungen beschreibenden Sachangabe oder einer sonstigen nicht unterscheidungskräftigen Angabe besteht. Diese Auffassung ent- spricht nicht nur der ständigen Rechtsprechung des Bundespatentgerichts, son- dern wird auch von den Beschwerdekammern des Harmonisierungsamts für den Binnenmarkt (HABM) sowie dem überwiegenden Schrifttum vertreten (vgl. BPatG a. a. O. „http://cyberlaw.de“; a. a. O. „eCollect.de“; a. a. O. „handy.de“; a. a. O. „beauty24.de“; sowie jeweils BPatG PAVIS PROMA 32 W (pat) 119/99 „yingyang.de“; 27 W (pat) 216/00 „1stBavarianOnlineshop.com“; 27 W (pat) 93/00 „AGRARNET.de“; 33 W (pat) 269/00 „EquityStory.com“; 27 W (pat) 45/01 „Super- handy.de“; 25 W (pat) 79/01 „www.strafzettel.de“; 25 W (pat) 167/01 „smart- building.de“; 29 W (pat) 31/01 „bayerische-rundschau.de“; 25 W (pat) 161/01 „getyourcar.de“; 32 W (pat) 95/01 „www.wirspielenlotto.de“; 33 W (pat) 36/02 „Ga- ragenpark.de“; 29 W (pat) 4/02 „kaufeinbuch.de“; 33 W (pat) 29/02 „reise.de“; BPatG vom 25.9.2003 - 25 W (pat) 249/02 „i-finance.de“; BPatG vom 9.10.2003 - 25 W (pat) 53/02 „UNI.DE“; BPatG vom 16.3.2004 - 33 W (pat) 271/02 „Cyber-Communication.Com“; BPatG vom 30.9.2003 - 24 W (pat) 28/03 „ANWALTSTELEFON.de“; HABM jeweils PAVIS PROMA R77/99-2 „WWW.PRIMEBROKER.COM“; R610/99-2 „worldsport.com“; R866/99-3 „SOFTWARE.COM“; R589/99-2 „INTERNET.COM“; R576/99-2 „INTERNETNEWS.COM“; R638/00-4 „BUY.COM“; R989/00-3 „deal4free.com“; R305/01-3 „PETS.COM“; R834/01-2 „LISTEN.COM“; R695/01-1 „SportsBet.com“; Ströbele/Hacker, MarkenG, 8. Aufl., § 8 Rdn. 87; Ekey/Klippel, MarkenR, 2003, § 8 Rdn. 20; Fezer, WRP 2000, 669, 670 f.). Soweit sich der Anmelder daher auf die Eintragung der Gemeinschaftsmarke Nr. 1 406 727 „markenpatent“ sowie verschiedentlich erfolgter Eintragungen von Marken durch das DPMA beruft, die nach Art einer Internet-Adresse gebildet sind, - 8 - stehen dem, wie aufgezeigt, zahlreiche vom Bundespatentgericht sowie von den Beschwerdekammern des HABM bestätigte Zurückweisungen solcher Markenan- meldungen gegenüber. Abgesehen davon hat bereits die Markenstelle zutreffend darauf hingewiesen, dass Voreintragungen identischer oder vergleichbarer Mar- ken in Deutschland und/oder in Mitgliedsstaaten der EU bzw. beim HABM für die Beurteilung der Schutzfähigkeit nachträglich angemeldeter Marken durch das DPMA bzw. das Bundespatentgericht keinerlei verbindliche Bedeutung haben (vgl. BGH GRUR 1997, 527, 529 „Autofelge“; BlPMZ 1998, 248, 249 „Today“; BPatG GRUR 2007, 333, 335 ff. „Papaya“; BPatG BlPMZ 2007, 236, 237 ff. „CASHFLOW“; EuGH GRUR 2004, 428, 431 (Nr. 59-65) „Henkel“). Schließlich vermag das Vorbringen des Anmelders, dass er Inhaber der Domain „markenpatente.de“ sei und folglich die angemeldete Marke nur von ihm verwen- det werden könne, das Schutzhindernis fehlender Unterscheidungskraft nicht aus- zuschließen. Die Beurteilung der Unterscheidungskraft ist von der Person des Anmelders und etwaiger ihm zustehender Ausschließlichkeitsrechte grundsätzlich unabhängig. Eine Bedeutung kann dem nur zukommen, wenn zur Überwindung des Schutzhindernisses gemäß § 8 Abs. 3 MarkenG der Nachweis zu führen ist, dass sich die fragliche Bezeichnung im Verkehr infolge ihrer Benutzung als Marke des Anmelders für die in Rede stehenden Waren oder Dienstleistungen durchge- setzt hat (vgl. BGH BlPMZ 2006, 178 „Casino Bremen“; GRUR 2006, 760, 762 (Nr. 16) „LOTTO“). Dafür, dass sich die angemeldete Marke im Verkehr als Marke des Anmelders für die beanspruchten Dienstleistungen durchgesetzt haben könnte, ist jedoch nichts vorgetragen und sind auch sonst keine Anhaltspunkte ersichtlich. Ströbele Eisenrauch Kirschneck Bb